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Mit „Eagle Spirit II“ rund Korsika und Sardinien
Am 28. April 2010
kamen wir in Port Napoleon an,
um unser Boot für den diesjährigen Törn aufzuklaren. Wir haben uns vorgenommen,
in diesem Jahr Port Napoleon endgültig zu verlassen und möglichst weit in Richtung
Griechenland zu segeln.
Nach unserer Ankunft stellten
wir zu unserer großen Erleichterung fest, dass unser Boot die lange Pause
unbeschadet überstanden hatte und lediglich sehr verschmutzt war. Wir hatten
also ein paar arbeitsreiche Tage vor uns, ehe wir kranen konnten. Aber das
wussten wir ja, darauf waren wir eingestellt, und außerdem machte es auch viel
Spaß, bei sonnigem Wetter unter und an Deck herumzukramen, aufzuräumen und mit
viel Wasser zu putzen.
3. Mai 2010
Naja, mit dem sonnigen Wetter
war es doch nicht so weit her - unerwarteterweise wurde es regnerisch, kühl und
sehr windig. Die Stimmung an Bord war demzufolge auch nicht mehr so heiter.
Aber immerhin wurden wir planmäßig mit unseren Arbeiten fertig, so dass dem
Krantermin lediglich der Mistral entgegenstand.
Dieses kleine Katzenvieh kam jeden Tag in den Flur
unseres Wohncontainers und erbettelte sich Futter.
Wir kauften sogar spezielle Katzen-Naschis bei
Intermarché für „unsere Katinka“.

Unser Starthafen Port Napoleon bei Marseille
Port Napoleon, 4. Mai 2010
Für den heutigen Morgen um
8.30 Uhr hatten wir einen Krantermin gebucht. Leider rauschte in der Nacht zuvor
ein heftiger Mistral mit ebenso heftigen Regenschauern herein, so dass Pieter
von der Kran-Crew den Termin wegen zuviel Wind absagte. Also saßen wir hoch auf
dem Winterlagerbock, nachdem wir gestern das Apartment schon geräumt hatten.
Der Wind rüttelte heftig am Boot, manchmal gingen Regenschauer nieder, die an
eine Riesen-Schwalldusche erinnerten. Um über den Platz zu gehen, stieg man
sinnvollerweise in die Gummistiefel, denn riesige Pfützen hatten das Gelände abseits
der asphaltierten Wege aufgeweicht. Als ich morgens mit dem Fahrrad zum
Waschraum fuhr, fegte mich der Wind beinahe samt Fahrrad um. Ich konnte gerade noch
abspringen. Natürlich mitten rein in eine Pfütze - wohin auch sonst
;-)))
5. Mai 2010
Das Wetter war anhaltend
miserabel. Regen, Kälte, Starkwind. Wir schafften es knapp, trocken zum
Intermarché und zurück zu radeln, um uns mit den notwendigsten Vorräten
einzudecken. Kaum sind waren jedoch wieder an Bord, begann es zu regnen, so
dass wir überhaupt nicht mehr rausgehen mochten. Die Heizung war Tag und Nacht eingeschaltet.
Nächster Krantermin: Samstag, 8. Mai.

„Eagle Spirit 2“ wird zum Kran geschleppt
8. Mai 2010
Es goss in Strömen - trotzdem
kranten wir und legten gekonnt an unserem Gastliegeplatz an. Kaum hatte der
Regen sich verzogen, installierten wir Genua, Sprayhood und Bimini. Bimini -
naja - so sonnenarm wie es bisher gewesen war, schien das
eine zunächst überflüssige Installation zu sein. Aber es schützt ja auch vor Regen!
9. Mai 2010
Regen und Sturm und Sturm und
Regen - so ging es heute den ganzen Tag, bis auf eine relativ kurze Regenpause
am Nachmittag. Es war kalt und ungemütlich und ich hatte große Lust, einfach
wieder nach Hause zu fahren.
Auch nach zwei Wochen in Port Napoleon erlebten wir
immer noch an den meisten Tagen Regen, Starkwind und Kälte. Südfrankreich im
Mai - na toll!!
13. Mai 2010
Endlich konnten wir starten.
Für den ersten Törn hatten wir uns nur eine relativ kurze Etappe vorgenommen,
die wir bis Frioul überwiegend unter Gennaker segeln konnten. Zu guter Letzt
erwischte uns in der Baie de Marseille doch noch ein Starkwind. Also wir liefen
statt in die Ankerbucht lieber in den Hafen ein und fanden einen Liegeplatz an
der Gästepier.

Frioul: Ankerbucht
mit Blick auf Chateau d’If

Frioul: Ein
„Tempel“ thront über dem Ort
Der „Ort“ Frioul besteht nur
aus einem relativ großen Yachthafen und einem Ferienzentrum mit den entsprechenden
Restaurants und Cafés. Die Insel bietet lediglich ausgedehnte Wanderwege, bei
denen man immer wieder auf Reste und Ruinen der militärischen Vergangenheit
stößt. Alles in allem ein trostloses felsiges Eiland. Wir waren froh, dort
nicht eingeweht zu sein.
14. Mai 2010
Rechtzeitig vor dem nächsten
Mistral kamen wir Samstagnachmittags in Sanary an. Bernard und Ingrid
erwarteten uns schon. Wir haben uns alle miteinander sehr gefreut, einander
wieder zu sehen und auch viel Zeit miteinander verbracht.

Sanary ist eine wirklich schöne und quirlige kleine
Hafenstadt.
Es gefiel uns so gut in
Sanary, dass wir ohne Unruhe abwarten konnten, bis der
Mistral sich endlich verzog. Wir erlebten den Aufenthalt in Sanary quasi als
Urlaubsbeginn, bummelten durch die Stadt, fuhren mit dem Bus in den Nachbarort
Six-Fours (und waren heilfroh, als wir dem wieder entrinnen konnten!!).
Six-Fours ist nach unserem
Geschmack ein fürchterlicher Ort, der Aufenthalt dort kam einer Verbannung
gleich. Eigentlich wollten wir einen ganzen Nachmittag dort verbringen, aber
bereits nach einer halben Stunde Aufenthalt hatten wir genug. Leider mussten
wir dann noch ca. 45 Min. auf den Bus zurück nach Sanary warten. Diese 45 Min.
erschienen uns endlos lang.
20. Mai 2010
Überwiegend unter Motor nach
Porquerolles, Ankerbucht neben dem Hafen.
22. Mai 2010
In Porquerolles haben wir nur
übernachtet und am nächsten Morgen bereits um vier Uhr - welch unchristliche
Zeit -
den Motor angeworfen, um nach
Korsika zu fahren. Wir waren uns sehr wohl darüber bewusst, dass wir motoren
mussten, denn für die nächsten Tage war Schwachwind prognostiziert. Wir wollten
so rasch wie möglich weg vom Festland und lieber in Calvi auf Wind warten.
In Calvi (angekommen abends
um 21.00 Uhr total kaputt), fühlten wir uns sogleich wieder richtig wohl und
waren froh, dass wir den Mammut-Nonstop-Törn hinter uns gebracht hatten.

Korsika

Abendstimmung kurz vor Calvi

Ansteuerung Calvi

Ankerplatz unterhalb der Zitadelle
23. Mai 2010
Zum Glück hatte an diesem
Pfingstsonntag der „Super-U“ geöffnet und wir konnten bunkern. Unser kleines
Beiboot mutierte zum Lastkahn.

Bunkern
24. Mai 2010
Ausflug mit dem Scooter in
die Berge. Für mich war dieser Ausflug schon allein wegen des Duftes schön -
noch beeindruckender waren allerdings die Ausblicke, die sich in den Bergen
boten.

Ausflug mit dem Scooter in die korsischen Berge

Das Bergdorf Nonza
Abends aßen wir, wie auch
schon vor ein paar Jahren nach einem Scooter-Ausflug, in dem einheimischen
Restaurant „Minellu“ regionale Spezialitäten, besonders lecker war das
Wildschein-Ragout

Hier gibt’s Wildschwein!
25. Mai 2010
Als wir von unserem
Scooter-Ausflug zurückkamen, wehte schon ein ziemlich starker Wind über unsere
Ankerbucht. Der schwedische Nachbar winkte uns aufgeregt und deutete auf eine
kanadische Yacht, die auf Drift gegangen war. Hans machte unsere Gummisau
startklar, holte den schwedischen Nachbarn, der kein eigenes Beiboot hatte, ab
und gemeinsam fuhren die beiden zu der kanadischen Yacht, die schon fast
außerhalb der Ankerbucht in der Hafeneinfahrt für die Fähren lag. Hans und der
Schwede brachten einen weiteren Anker aus und hinderten das treibende Boot auf
die Weise daran, weiter in die Bucht hinauszudriften.
Die folgende Nacht war für
mich sehr unruhig, ich bin oft aufgestanden und habe die Ankerpeilung
kontrolliert. Der driftende Kanadier hatte mich doch nachdenklich gemacht.
Am nächsten Morgen kam der kanadische
Skipper zu uns und bedankte sich überschwänglich und mit einer Flasche
Zitronenlikör bei Hans für seine Rettungsaktion.
Im Laufe des Tages nahm der Wind kontinuierlich zu und blies zeitweilig mit bis zu 30 kn über die Ankerbucht. Alle Yachties waren auf ihren Booten und bewachten die Anker. Unser 27kg-Pflugschar-Anker hielt!! Ich war ziemlich unruhig und hielt den ganzen Tag „Wache“. Erst gegen Abend ließ der Wind nach und wir hatten tatsächlich eine ruhige Nacht.
26. Mai 2010
Abends Besuch einer
Aufführung der „A Filetta“, einer A-Capella-Gruppe, die traditionelle korsische
Gesänge wieder belebt hat und zur Aufführung bringt. Das war ein wirklich
beeindruckendes Erlebnis.
27. Mai 2010
Ein weiterer Tag bei
Starkwind in der Ankerbucht vor Calvi. Hans war kurz davor, den „Bordkoller“ zu
kriegen, ich hatte ihn längst.
30. Mai 2010
Der Starkwind hält nicht nur
an, sondern ist auch noch sehr viel heftiger geworden. Zum Glück bekamen wir
rechtzeitig eine Warnung von Meeno Schrader Wetter sms, so dass wir uns
rechtzeitig in den Hafen verholen konnten. So viele Schiffe im suchten Schutz
im Hafen, dass die Hafenmeister „verzweifelt“ mit ihren Gummibooten hin- und
hersausten in dem Bemühen, für alle einen Liegeplatz zu finden. Wir mussten
unseren ersten Liegeplatz verlassen, um Platz zu machen für die
Riesen-Motorboote, die wie die Perlen auf der Schnur einliefen. Zum Glück war unser
„neuer“ Liegeplatz bei den herrschenden Windverhältnissen für uns viel
günstiger.

Der kleine „Eagle“ zwischen dicken Motorbooten am
Gästesteg von Calvi
1. Juni 2010
Die Windprognose für den 1.
Juni war äußerst günstig für uns, so dass wir tatsächlich morgens ziemlich zeitig
(für unsere Verhältnisse) starteten. Aber unser Freund Meeno hatte uns ganz
schön hinters Licht geführt. Kaum umrundeten wir nämlich das Calvi vorgelagerte
Kap, nahm der Wind in Windeseile zu und erreichte schon bald 6 Bft. Nur leider
aus der für uns falschen Richtung! Wieder Süd-West. Angekündigt waren 2-3 aus NW.
Aber wir haben ja ein Segelboot, und so beschlossen wir, zu kreuzen. Die Strecke
von Calvi nach La Girolata misst 26 sm, daraus könnten beim Kreuzen dann locker
bis zu ca. 50 sm werden. Das machte uns jedoch nichts aus, denn wir hatten
Zeit. Also kreuzten wir munter los. Allerdings wurden die Wellen höher und
höher, je weiter wir uns vom Land entfernten und der Wind nahm weiter zu. Die
Schräglage des Bootes wurde allmählich ungemütlich. Also refften wir die Segel.
Als ob Wind und Wellen das als Herausforderung betrachteten, steigerten sie
sich noch einmal. Wir segelten zwar mit 5 - 6 Knoten, hätten aber bis zu
unserem Ziel noch mindestens 8 Stunden „kämpfen“ müssen. Bei derartigen Wind-
und Wellenverhältnissen werden Menschen und Material erheblich strapaziert und
der Spaß am Segeln hört eigentlich auf.
Nachdem wir ungefähr drei
Stunden so herumgegurkt waren, wurde es uns zu bunt. Wir beschlossen, einfach
umzukehren nach Calvi. Nach ein paar Stunden legten wir wieder in Calvi an. Nachdem
auf dem Törn häufig die Wellen über das Deck gerauscht waren, war das ganze
Schiff wie gepökelt. Im Hafen befreiten wir dann unseren „Adler“ von der salzigen
Kruste.
2. Juni 2010
Allmählich wurde es uns dann
doch zu langweilig in Calvi und wir warfen die Leinen los, um diesen schönen
Ort zu verlassen. Der Wind hatte etwas nachgelassen und seine Richtung
wenigstens vorübergehend zu unseren Gunsten geändert, aber die Wellen waren
unvermindert hoch. So schaukelten wir dann auf einem Vorwind-Kurs unserem
Tagesziel La Girolata entgegen. Als wir an dem Weltnaturerbe La Scandola
entlang segelten, wurden wir angesichts dieser gigantischen und bizarren
Felsformationen fast andächtig. Ich wurde sogar so „andächtig“, das ich dank
der unregelmäßigen und hohen Wellen Neptun opferte und zeitweilig würgend über
der Reling hing.

Einfahrt zum Weltnaturerbe „La Scandola“

Weltnaturerbe La Scandola
Gegen Abend erreichten wir
die Ankerbucht von La Girolata. Mit viel Glück und der Hilfe eines pfiffigen
Hafenmitarbeiters bekamen wir die letzte freie Boje. Einer Chartercrew, die
glaubte, die uns bereits zugewiesene Boje wegschnappen zu können, löste er
kurzerhand die Leine und half stattdessen uns, dort festzumachen.

Ankerbucht La Girolata
Nach einer unruhigen Nacht,
der Wellengang in der Bucht war ziemlich ungemütlich, segelten wir am nächsten
Morgen zeitig los und warfen unseren Anker nach einem herrlichen Segeltag in
der Bucht von Liscia.
4. Juni 2010
Ajaccio. Diese Stadt ist nun
wirklich nicht schön, aber wir fanden hier alle möglichen Händler, um Zubehör
und Werkzeuge fürs Schiff zu kaufen, denn inzwischen sind doch diverse
Reparaturen durchzuführen. Außerdem gab es in der Marina Waschmaschinen für
unsere dringend notwendige große Wäsche. Also dann: an die Arbeit !!
7. Juni 2010
Ein Tag für die Fitness.
Von Ajaccio aus kann man mit
einem „Bimmelbähnchen“ bis nach Bastia reisen. Dieses Bähnchen bremst auch für
wilde Hausschweine, die gelegentlich auf den Schienen Siesta halten. Eine der
offiziellen Haltestellen in den Bergen ist Vizzavona, eine bei
Korsika-Wanderern bekannte und beliebte Station. Von dort aus begaben wir uns
Richtung Norden in die Berge. Zuerst wanderten wir auf gut ausgebauten Wegen
parallel zu einem rauschenden Bach bergauf. Je höher wir kamen, umso
schwieriger wurde der Weg. Ging es zunächst noch in einem ausgetrockneten und
sehr steinigen Bachbett weiter, mussten wir uns schließlich von Felsbrocken zu
Felsbrocken hangeln. Als der immer noch als Wanderweg ausgewiesene Stieg
schließlich zu einer Art „Kamin“ wurde, gaben wir auf. Darauf waren wir weder
vorbereitet noch dafür ausgerüstet, und so siegte dann doch die Vernunft und
wir krabbelten wieder bergrunter. An vielen Stellen arbeiten wir uns bis an den
Bach vor, um unsere Trinkwasserflaschen mit diesem eisigkalten und sehr
erfrischenden Wasser zu füllen.

Der rotweiß gekennzeichnete Wanderweg GR 20 nördlich
von Vizzavano

Hier geht’s nicht mehr weiter! Man beachte das
Schuhwerk!

Wo der Wildbach rauscht …

… da glühen die Füße
11. Juni 2010
Ein Segeltag wie aus dem
Bilderbuch auf dem Törn von Ajaccio bis in die Bucht von Porto Pollo, wo wir
ankertern. Unser alter Gennaker bewährte sich mal wieder und zeigte immer noch
seine Qualitäten. An diesem Segeltag hatten wir ihn beinahe während des
gesamten 21sm-Törns stehen und er zog uns zuverlässig.
13. Juni 2010
Am 11. Juni verließen wir
Ajaccio, um weiter nach Süden zu segeln. Für die stürmische Wartezeit am
Gästepier des Hafens Charles Ornano in Ajaccio wurden wir mit einem wunderschönen
Segeltag entschädigt. Bei leichtem Wind und angenehm wenig Wellengang segelten
wir gemächlich meistens unter Gennaker bis in die Bucht vor Porto Pollo, wo wir
ankerten. Kaum hatten wir dort den Anker ausgebracht und das Deck einigermaßen
aufgeräumt, sprangen wir ins glasklare erfrischend kühle Wasser und schwammen
genüsslich einige Runden um unseren „Eagle“.

Badetag
Der nächste Törn, bei dem uns
wiederum unser guter alter, oft geflickter und schon sehr dünn gewordener Gennaker
hervorragende Dienste leistete, führte uns bei herrlichem Wetter in den Golfe
de Mortoli. Wir ankerten vor dem Plage d’Argent, dem für mich bisher schönsten
aller Ankerplätze. Die weitläufige Bucht, die allerdings nach Südwest vollkommen
offen ist, ist gesäumt von einem langen Sandstrand. Hinter dem Strand beginnt
ein z.T. mit Pinien bewachsenes grünes Hügelland. Eine kleine Ferienhaussiedlung,
vom Meer aus in den grünen Hügeln kaum zu sehen, ist die einzige Bebauung weit
und breit. Im Hinterland ragen hohe schroffe unbewachsene Felsen auf. In der
Abendsonne leuchteten diese Felsen in phantastischen Farben mit abwechslungsreichen
Schattenspielen.
So schön diese Bucht
landschaftlich auch ist: der Ankerplatz war doch sehr unruhig. So schaukelten
wir durch eine relativ schlafarme Nacht und erlebten am nächsten Morgen
tatsächlich heftige Regenschauer und sogar ein Gewitter.

Gewitterwolken über dem Plage d’Argent
Wegen der für uns ungünstigen
Windprognose blieben wir zwei Tage in der wunderschönen Bucht vor dem Plage
d’Argent. Am 2.Tag hatten wir sogar die ganze Ankerbucht für uns alleine. In
der Nacht wechselten wir uns beim Be-obachten eines ganz und gar unglaublich
klaren Sternenhimmels quasi ab. Es gab weit und breit keine einzige Lichtquelle,
so dass wir in der vollkommen tiefschwarzen, samtweichen Dunkelheit auch ohne
Fernglas den Sternenhimmel in seiner unbeschreiblichen Pracht bewundern konnten.
Am 14. Juni
segelten wir vom Golfe de Mortoli
völlig unspektakulär und ohne besondere Vorkommnisse nach Bonifacio an der Südspitze
von Korsika. Bonifacio war unser vorerst letzter französischer Hafen, in dem
wir einige Tage verbrachten. Die direkt auf die Felsen zum Meer hin gebaute
Altstadt ist sehenswert. Wir wollten auf dem Küstenweg eine Etappe wandern und mussten einige Reparaturen an Bord
durchführen.

Hafeneinfahrt Bonifacio

Die Altstadt auf den Felsen der Steilküste
17. Juni 2010
Von Bonifacio aus nahmen wir
an einem Bootsausflug auf die Îles Lavezzi und entlang der felsigen südlichen
Küstenlinie von Korsika teil. Die Îles Lavezzi sind unbewohnte steinige Inseln
mit interessanten Felsformationen mit einigen sehr schönen Buchten, aber wenig
einladend zu einem längeren Aufenthalt. In einer etwa zweistündigen Wanderung
kann man diese Insel umrunden, die Felsen bestaunen und sich an den zahlreichen
Geckos erfreuen.

Die Muschelsucherin

Bizarre Felsen
Abschied von Bonifacio
Zum Abschluß unseres
Aufenthaltes in Bonifacio und damit Abschied von Korsika besuchten wir ein
Kirchenkonzert in einem „Monument historique“ in der Zitadelle von Bonifacio.
Ein Solist mit einer wunderbaren Stimme und einem historischen Instrument
namens Cistre trug überlieferte kirchliche und weltliche Gesänge vor. Die
Stimme des Sängers erfüllte mühelos und ohne jegliche Verstärkung die gesamte
Kirche. Nach dem letzten Lied und anhaltendem Applaus zog sich der Sänger in
die Sakristei zurück. Dann passierte etwas, was wir noch nie zuvor erlebt
hatten:
Sämtliche Zuschauer blieben
mucksmäuschenstill auf ihren Plätzen sitzen. Es gab keinerlei Geflüster, kein
Husten, kein Stühlescharren. Es war in der riesigen Kirche absolut und total
still. Diese Stille währte einige Minuten, dann trat der Sänger aus der
Sakristei, erneut brandete der Applaus auf, und er trug noch etliche Lieder
vor. Kurz vor Mitternacht endete die Aufführung schließlich endgültig.

Der Sänger Xinarca mit seiner Cistre
Wir wanderten durch die
düsteren und stillen kopfsteingepflasterten Gassen der Zitadelle langsam wieder
abwärts zum Hafen. Dort empfing uns, einem Kulturschock gleich, Musik aus einer
Diskothek, die den ganzen Hafen beschallte. An Schlaf war also zunächst nicht
zu denken.
Sardinien

Sardinien
Am 18. Juni
erreichten wir - diesmal
jedoch mit unserem eigenen Boot - La Maddalena. Da wieder einmal Starkwind
angekündigt war, wollten wir Korsika rechtzeitig vorher verlassen. Die
Überfahrt durch die Straße von Bonifacio hat richtig viel Spaß gemacht. Bei 5
-6 Bft aus West rauschte unser rasender „Eagle“ zeitweilig mit 8,5 kn Sardinien
entgegen. Im Laufe des Tages nahm der Wind weiter zu, aber da lagen wir bereits
sicher vertäut im Hafen. Am nächsten Morgen war der Wind so stark, dass er mit
einer kräftigen Böe unseren Frühstückstisch im Cockpit aufwirbelte und Hans den
Käse vom Brötchen fegte. Gegen Abend entwickelte sich
der Starkwind zu einem handfesten Sturm aus West, der 2 Tage lang unvermindert
anhielt. Wie gut, dass wir im sicheren Hafen lagen.
22. Juni 2010
Morgens in der Ankerbucht: wir hatten eine ruhige Nacht und freuten uns
schon beim Frühstück auf einen schönen Segeltag. Das Wetter war herrlich, der
Wind endlich moderat und sogar aus der richtigen Richtung. Gennakerkurs gen Süden.
Beim Setzen des Großsegels
erwarteten wir nur die üblichen Probleme - es ist halt alles etwas
schwergängig. An diesem Tag aber kam das Groß nicht
nur mühsam raus, sondern plötzlich machte es „ratttsch“ und das Schothorn riß
ab. Da konnten wir nur noch entgeistert unserem entfesselten Großsegel beim
Flattern zuschauen. Nachdem wir es mit einer Mühe wieder eingerollt hatten,
mussten wir den Motor anwerfen und unplanmäßig Olbia ansteuern. Wir hatten
Olbia von unserem letzten Besuch vor drei Jahren in nicht allzu schöner Erinnerung
und wollten diesen Ort am liebsten „weiträumig umfahren“. Aber nun - erstens
kommt es anders … Hans raffte also all seine italienischen Sprachkenntnisse
zusammen und telefonierte so lange herum, bis er in Olbia einen Segelmacher
ausfindig gemacht hatte, der versprach, noch am selben Nachmittag zu uns an
Bord zu kommen und den Schaden anzusehen. Er kam tatsächlich pünktlich,
schüttelte besorgt sein weises Haupt, und da er so seriös wirkte, bekam er
gleich von uns den Auftrag, das Großsegel zu reparieren und sowohl Groß- auch Vorsegel
einer Generalinspektion zu unterziehen.
Bei dieser Gelegenheit
entdeckte Hans dann auch die Ursache, die uns seit Jahren beim Setzen des
Großsegels Schwierigkeiten bereitete: einen ziemlich dicken unfachmännischen
Knoten im Fall, der die Spindel unseres Rollsegels stark behinderte. Er war
schon beim Aufriggen des Segels vom Händler gemacht worden, war anfangs weich
und wurde im Laufe der Zeit immer härter und störender. Nachdem der Segelmacher
diesen Knoten durch ein eingespleißtes Auge ersetzt hat, lässt sich unser Groß
wunderbar problemlos ein- und ausrollen. Leider hat es sechs Jahre gedauert,
ehe wir diesem Elend auf die Schliche kamen.
Ein paar Tage später segelten
wir bei wunderbarem Segelwetter gemächlich an der sardischen Ostküste entlang gen
Süden. Wir schwammen so oft wie möglich in dem glasklaren Wasser und genossen
es, in schönen Buchten zu ankern.

Wasserspiele
30. Juni 2010
Von Olbia aus segelten wir
genüsslich in kleinen Etappen von Ankerbucht zu Ankerbucht. Zwischen den
teilweise bis ans Meer reichenden schroffen Felsen gibt es viele schöne Strände
und Ankerbuchten zu entdecken. Manche Strände sind nur per Boot zu erreichen.
Sie werden quasi im Minutentakt von Ausflugsbooten angesteuert, die vormittags jedes
Mal viele Menschen am Strand „abladen“ und abends wieder mit zurücknehmen.
Wir beobachteten dieses
Treiben einen ganzen Nachmittag lang in der wunderschönen Cala di Luna, die an
ein Naturschutzgebiet grenzt und tatsächlich nur per Boot zu erreichen ist. Um
18.00 Uhr kam das letzte Ausflugsboot, um Tagesgäste abzuholen - danach hatten
wir die ganze Bucht mit ihrem feinen Sandstrand und vielen beeindruckenden
Höhlen ganz allein für uns.

Cala Luna

Cala Luna
In Arbatax übernachteten wir
mal wieder in einem Hafen. Unsere Wassertanks mussten gefüllt und der Müll
entsorgt werden. Der Ort selbst ist trotz des Fährverkehrs und eines gut
ausgebauten Yachthafens weitgehend vom Tourismus unberührt. Dafür bieten sie
dort günstige Winterlagerplätze für Segelyachten an.
Nach dem nächsten Segeltag
ankerten wir bei Gewitter und Regen in der Bucht Murtasco, nördlich von
Cagliari.
Abendstimmung in der Ankerbucht bei Murtasco

Glasklares Wasser in der Ankerbucht
No fish today …
Ab und zu packte mich das
Jagdfieber, bevorzugt bei Flaute, und ich warf die Angel aus. Da mein
Jagdfieber jedoch meistens nur von kurzer Dauer war, befestigten wir die Angel
irgendwie im Heck und schleppten den Haken hinterher. Auf unserem Weg Richtung
Cagliari biss tatsächlich eine kleine Dorade an. Begeistert rollte ich die Angelschnur
auf, Hans stand mit dem Fotoapparat bereit, um die Trophäe zu fotografieren und
gemeinsam lief uns in Erwartung eines leckeren Abendessens schon das Wasser im
Munde zusammen. Die Dorade kam näher, die Angelrute bog sich beängstigend
durch, der Fisch war schon fast an Deck - da gelang ihm doch tatsächlich die
Flucht! Irgendwie hat er es geschafft, sich von dem Angelhaken zu lösen und
abzuhauen. Da hatten wir endlich nach vielen vergeblichen Versuchen ein leckeres
Abendessen am Haken - da nimmt das so einfach Reißaus! Ich hab’ wohl ziemlich
dumm aus der Wäsche geschaut. Zum Glück hat Hans meinen frustrierten
Gesichtsausdruck nicht fotografiert. Aber dass wir einen Fisch am Haken hatten,
hat er immerhin dokumentiert. Ich glaube allerdings, dass er erleichtert darüber
war, dass er nicht Zeuge eines Schlachtfestes geworden ist.
…lecker Dorade
3. Juli 2010
Am Nachmittag des 3. Juli
erreichten wir unser Etappenziel, Cagliari, im Süden von Sardinien. Wir machten
in dem relativ einfachen Yachthafen Marina del Sole fest. Der Hafen ist leider
ziemlich weit von der Stadt entfernt, aber es gibt in der Nähe eine gute
Busverbindung. Die zu entdecken half uns ein sehr freundlicher junger Mann, den
wir nach dem Weg fragten. Aufgrund der Sprachschwierigkeiten konnte er den Weg
zwar nicht erklären, uns aber deutlich machen, ihm einfach zu folgen. Er führte
uns direkt bis zu der Bushaltestelle. Dort ergab sich das nächste Problem: man
kann Tickets für italienische Busse nicht im Bus erwerben, man muss sie
schon vorher an bestimmten Vorverkaufsstellen gekauft haben. Die für uns einzig
erreichbare hatte jedoch schon geschlossen. Also standen wir ohne Tickets da
und beschlossen, uns einfach dumm zu stellen und die Sache auf uns zukommen zu
lassen. Als der Bus endlich kam, handelt der freundliche junge Mann, als sei er
unser Betreuer und erklärte dem Busfahrer, dass wir als gerade angekommene
deutsche Touristen leider noch keine Möglichkeit gehabt hätten, Tickets zu
kaufen. Der Busfahrer war zu unserer großen Überraschung ebenso freundlich und
hilfsbereit und ließ uns tatsächlich ohne Tickets mitfahren in die Stadt. Das
war schon mal ein sehr erfreulicher Auftakt unseres Aufenthaltes in Cagliari.

Verfallendes Cagliari Castello

Marina di Sole in

Abends vor Cagliari

Yachthäfen in Cagliari
In Cagliari mieteten wir uns
für zwei Tage ein Auto, mit dem wir eine Fahrt durchs Gebirge unternahmen. Auf
erstaunlich gut ausgebauten Straßen schraubten wir uns bergauf und bergab und
waren zeitweilig wirklich sprachlos angesichts der spektakulären Ausblicke in
weite Täler. Nirgends zuvor hatten wir derartig hohe Berge gesehen, deren Täler
quasi auf Meerespiegelhöhe begannen und sich weitläufig ausstreckten. Von
Dorgali bis Lotzorai an der Ostküste fuhren wir auf einer Gebirgsstraße in
ungefähr 800 m Höhe. Die Aussicht von der Straße in die Täler war
überwältigend. Wir waren uns einig, noch nie zuvor eine so einzigartige und
imposante Landschaft gesehen zu haben.

Spektakuläre Ausblicke von der Bergstraße in die Täler

In diesem Albergo übernachteten wir
Wir übernachteten in einem
Dorf in den Bergen in einem ortstypischen Albergo, in dem uns zum Abendessen
eine sehr leckere regionale Spezialität, u.a. bestehend aus einem Wildschweinragout,
serviert wurde. Später in unserem Zimmer beschlossen wir, mit unserem Boot um
Sardinien und Korsika herum zurückzusegeln nach Port Napoleon und das Schiff
dort einem Spediteur zu übergeben, um es nach Laboe transportieren zu lassen.
Da der Transport ja keineswegs eilig ist, werden wir versuchen, einen Spediteur
zu finden, der unser Boot auf einer ansonsten leeren Rückfahrt mitnehmen kann.

Riesige tiefe Täler

Ginsterbaum
12. Juli 2010
Nach ein paar Tagen
Aufenthalt verließen wir Cagliari, die laute und heiße Großstadt, ankerten wir in
der traumhaft schönen Bucht von Porto Pino, gingen in Carloforte in den Hafen
und ankerten wiederum in Buggeru. Der Wind war so günstig für uns, dass wir
jede Stunde unter Segeln einfach nur genießen konnten. Unser alter Gennaker hielt
tapfer durch und schleppte uns munter durch schwachwindige Phasen, an anderen
Tagen kreuzten und kreuzten und kreuzten wir - bei dem herrlichen Wetter bekamen
wir gar nicht genug vom Segeln und unsere Wenden waren schon fast olympiaverdächtig.
Auf den folgenden Fotos, die Hans vom Beiboot aus aufgenommen hat, ist sehr
schön unser Gennaker zu erkennen.

Eagle Spirit II unter Vollzeug

Das Dinghi ist digital „dazugemogelt“!
Der aufstrebende Ferienort
Buggeru, vor dem wir ankerten, verfügt über einen nur kleinen Hafen, der von
äußerst stabilen Kaimauern und enormen Wellenbrechern umgeben ist. Trotzdem
versandet die Anlage leider zunehmend, so dass dort nur kleine und flachgehende
Boote anlegen können. Die „Sehenswürdigkeit“ oberhalb des Hafens ist ein
stillgelegtes und vor sich hin rottendes Bergwerk. Wahrlich kein schöner
Anblick in der ansonsten landschaftlich schönen und ruhigen Bucht. Wir badeten
und faulenzten und freuten uns abends über einen besonders schönen Sonnenuntergang.

Stillgelegtes Bergwerk direkt hinterm Strand von
Buggeru

Sonnenuntergang in der Bucht von Buggeru
14. Juli 2010
Torregrande
Wir mussten Diesel tanken. In
dem riesigen Hafen von Cagliari gab es keine Tankstelle für Yachten, in unserem
nächsten Hafen, Carloforte, gab es zwar eine Tankstelle, aber die Wassertiefe
betrug dort noch 1 m - unser Boot hat einen Tiefgang von 2 m. Da überdies der
schöne Segelwind anhielt, beschäftigte uns das Thema „Tanken“ eigentlich nicht
so sehr, wir haben schließlich ein Segelboot.
Als wir uns am 13. Juli dem
Yachthafen von Orestano näherten, beschlossen wir, dort zur Tankstelle zu
fahren. Außerdem wollte die „Crew“ gerne in den Hafen, weil sich ein Gewitter
zusammenbraute und die Crew Angst vor Gewitter auf See resp. in der Ankerbucht hat.
Wir steuerten also die große Hafenanlage von Orestanesi an. Noch im Vorhafen
begann unser Tiefenalarm zu pfeifen, der bei einer Wassertiefe von 2,50 m
schrille Piepstöne von sich gibt. Wir tuckerten also ganz ganz vorsichtig in
Richtung Tankstelle, wobei unser Boot mehrmals Grundberührung hatte.
Schließlich konnten wir jedoch unseren Dieseltank auffüllen lassen und unser
Boot an einem Gastliegeplatz festmachen. Während der ganzen Zeit schrillte der
Tiefenalarm.
Der Yachthafen selbst liegt
mitten in der Landschaft, völlig isoliert, ohne jegliche Infrastruktur, ohne
irgendwelche Örtlichkeiten in der Nähe. Man fragt sich wirklich, warum ein
Hafen derartig abgelegen gebaut wird.
Am windarmen nächsten Morgen
verließen wir den Hafen. Der Motor lief irgendwie unrund und das ganze Boot
vibrierte. Wir waren ziemlich beunruhigt. Hans wollte auf keinen Fall
weiterfahren, sondern lieber gleich an Ort und Stelle prüfen, ob der Propeller
beschädigt war. Er war gut im Tauchtraining, weil er meistens in unseren Ankerbuchten
tauchte, um die Lage unseres Ankers zu prüfen. Also ließen wir das Boot
treiben, befestigten unser Gerber-Supermesser mit einer langen Leine an der
Reling und Hans stieg mit Tauchermaske ins Wasser. Als er kurz darauf wieder
auftauchte, erklärte er, dass sich ein Plastiksack um unsere Schraube gewickelt
hatte. Also schnappte er sich das Messer, tauchte einige Male und befreite die
Schraube von dem Sack, den wir uns im Hafen Torregrande-Orestanesi
offensichtlich eingefangen hatten. Unsere Meinung über diesen Hafen wurde
dadurch nicht gerade besser.
Nachdem unsere Schiffsschraube sich wieder frei drehen konnte, kam listig pfeifend ein schöner Wind daher, so dass wir auf die Motorunterstützung verzichten und bis in die nächste Ankerbucht segeln konnten. Wir waren erleichtert, dass das Problem mit der Schiffsschraube gelöst war.
Zum Thema „Tanken“ gab es
abends dann noch eine eher lustige Überraschung: nachdem wir unser Schiff in
einer windgeschützten Bucht verankert hatten, sprangen wir erst einmal ins relativ
kühle Wasser. schwammen einige Runden ums Boot und duschten anschließend
ausgiebig. Nach dem folgenden Abendessen wollten wir unser Geschirr abspülen.
Dabei stellte sich heraus, dass unsere beiden Frischwassertanks restlos leer
waren. So blieb uns immerhin das Geschirrspülen erspart, aber wir mußten nun
doch einen Hafen ansteuern, um Frischwasser zu tanken. Unser nächstes Ziel war
Alghero.

Anker- und Badebucht
15. Juli 2010
Bei strahlend schönem Wetter
erreichten wir Alghero.

Ansteuerung Alghero
Die Hafenmitarbeiter
begrüßten uns so freundlich, als seien wir die lang ersehnten Gäste. Ein Boot
nahm uns schon in der Hafeneinfahrt in Empfang und meldete uns in der Marina
St. Elmo an, wo sich daraufhin ebenfalls in einem Schlauchboot und am Steg schon
hilfsbereite Mitarbeiter bereithielten, um uns beim Anlegen behilflich zu sein.
Trotz der Hafengebühren von 90 Euro pro Nacht (einschl. Internet-Zugang)
blieben wir ein paar Tage und besichtigten in großer Ruhe, allerdings wegen der
Hitze jeweils erst nach 17.00 Uhr, die Stadt. Die Altstadt ist sehenswert und
angenehm zum Flanieren, weil die Gassen sehr eng und die Häuser so hoch sind,
dass die Gassen ganztägig im Schatten liegen. Wir entdeckten ein neues
Lieblingsgetränk: Caffe freddo! Das ist eisgekühlter leicht gesüßter Espresso,
der unglaublich erfrischend und belebend wirkt.

Alghero
In Hafennähe gab es eine
große Katzenkolonie, der natürlich meine besondere Vorliebe galt. Sehr hübsche
Fotomodelle, so jung und schon so fotogen:

Rosis Kätzchen
Am 19. Juli verließen wir die
Stadt und ankerten mal wieder in einer windgeschützten Bucht. Es war jedoch so
kühl, dass wir nicht einmal Lust verspürten, ins Wasser zu gehen. In der Bucht
Cala del Bollo befindet sich ein relativ großer Hotelkomplex mit einer
Freiluft-Disco. Die halbe Nacht wurden
wir mit Popmusik beschallt und waren anschließend über die Sommerhits 2010 auf
dem neuesten Stand.

Capo Caccia

Ansteuerung zur Cala del Bollo
Wir berichteten ja schon
einige Male über das erstaunlich glasklare Wasser des Meeres rund um Sardinien.
Während wir zwischen den grandiosen Felsen der Grotta di Nettuno vor Alghero
unter Motor hindurchtuckerten, tauchte neben unserem Boot plötzlich ein
ziemlich dicker Fisch auf und sogleich auch wieder unter. Zum Glück lag die Kamera
in Reichweite und das erwähnte klare Wasser und die an diesem Tage vollkommen
glatte Wasseroberfläche verhalfen uns zu einem Schnappschuß der besonderen Art.
Wenn wir schon keinen Fisch an die Angel kriegen, so haben wir wenigstens ein schönes
Fischfoto. Allerdings war dieser Fisch für unsere Angel auch um einiges zu groß
- er war mit mindestens 1,50 m Länge (KEIN Anglerlatein) ein ganz schön dicker
Brocken.

Zu groß für die Angel!
Die Felslandschaft um die
Grotta di Nettuno am Eingang der Bucht von Alghero ist imposant. Wir hatten das
Glück, an einem windstillen Tag in dieser Gegend zu sein, so dass wir in aller
Ruhe unter Motor zwischen den einzigartigen Felsformationen hindurch fahren
konnten. Immer schön brav an den gelben Tonnen entlang.

Einfahrt zur Grotta di Nettuno
20. Juli 2010
Vor Stintino ankerten wir,
segelten von dort nach Castelsardo und waren heilfroh, in Castelsardo nicht
eingeweht zu sein. Der Hafen ist völlig ok, aber er liegt dermaßen weitab vom
Ort, dass man eine mind. 1stündige Wanderung in Kauf nehmen müsste, um in den
sehenswerten Ort zu gelangen. Bei den im Juli herrschenden Temperaturen kommt
man allerdings erst gar nicht auf die Idee, eine Stunde an einer Hauptstraße
entlang zu wandern, also versäumt man den Besuch der eigentlich sehenswerten
Stadt. Zum Glück kannten wir den Ort von einem früheren Besuch, so dass uns
nicht wirklich etwas entgangen ist.

Castelsardo
Die letzte Station auf
unserem Törn rundum Sardinien war Isola Rossa. In die Marina „flüchteten“ wir
uns vor einem Mistral. Na, endlich waren wir wieder im Mistral-Gebiet - dieser
Wind fehlte uns wirklich in den vergangenen Wochen!!
Isola Rossa ist ein relativ
neues Feriengebiet mit dem üblichen Strandleben und einer gut ausgebauten
Marina. Wir amüsierten uns zum wiederholten Male darüber, dass die Hafenanlage
zwar über ein WLan verfügt, aber leider keiner der jungen und ansonsten
pfiffigen Mitarbeiter in der Lage war, dieses auch in Betrieb zu nehmen. Diese
für uns erstaunliche Erfahrung hatten wir auch schon in anderen Marinas
gemacht.

In einer wunderschön gelegenen Pizzeria mit dem obigen
Ausblick ließen wir
uns unter schattenspendenden Bäumen das Abendessen schmecken:

Rotwein und Pizza unter Pinien - herrlich!
Danach warteten wir den
Durchzug des Mistrals ab, der uns mit 8-9 Bft eine sehr unruhige Nacht
bescherte.
Hier
schreibt der Skipper:
![]()
Dieser
Text wird, hoffe ich, ein Liebeslied auf Sardinien!
Ich
will niemanden mit der Geografie Sardiniens langweilen, seglerisch beginnt
Sardinien in der Strasse von Bonifacio, wir haben es diesmal im Uhrzeigersinn
umrundet. Wir sind in der von vielen so verteufelten Hochsaison dort gewesen,
weil es sich so ergab und weil wir den Katastrophen-Nachrichten anderer von
überfüllten und überteuerten Häfen und Ankerbuchten nicht glaubten.
Wir
sind von Bonifacio an der Ostküste nach Süden gesegelt. Natürlich haben wir
Porto Cervo und die Häfen der Costa Smeralda gemieden. Die sind für Millionäre,
zu denen wir leider nicht gehören. Sie haben dort ihre Villen und ihre riesigen
Motoryachten. Wer dorthin fährt, sollte einige Gold-Kreditkarten bei sich
haben! Wir Armen können nur vor diesen Häfen ankern oder weiterfahren.
Unsere
erste Ankerbucht nach La Maddalena war Cala di Volpe. Kristallklares Wasser,
wie wir es noch nie erlebt hatten. Wir konnten in 8 m Tiefe sehen, wie sich
unser Anker eingegraben hatte. So ist es in allen Ankerbuchten geblieben. Im
Wasser angenehme ca. 26°C, in der Luft ca. 30 – 32 °C. meist mit Wind
2-4 Bft., was für uns im Schatten noch akzeptabel ist. Ein sardisches
Sprichwort sagt: „Nur Esel und Engländer gehen mittags in die Sonne!“
Fast
jeden Tag kam nach windstillem Morgen gegen 10 - 11 Uhr der Wind mit 3-4 Bft.
und schlief gegen 3-4 Uhr wieder ein. Wir haben noch nie so häufig unseren
Gennaker benutzt, denn wir fuhren ja meist Nord- oder Süd-Kurs und Ost- oder
Westwinde sind vorherrschend!
Wir
haben hier die schönsten Ankerbuchten unseres bisherigen Lebens gefunden (s.
Muht: Korsika, Sardinien, Elba). Angefangen bei Cala di Volpe, dann nach Olbia
zum kostenfreien alten Handelskai („Klagemauer“) zur Cala Cinepro und der Cala
di Luna. Es würde zu weit führen, all die schönen Ankerbuchten aufzuführen. Für
Taucher oder Schnorchler sind diese Buchten und die Felsenküsten ein Paradies!
Entgegen
allen miesmacherischen Warnungen sogenannter „Experten“ haben wir keine einzige
überfüllte Ankerbucht und keinen einzigen überfüllten Hafen, der uns abwies,
vorgefunden Die Ankerbuchten waren eher halbleer, in den Häfen gab es genug
Platz und nach Anfrage auf Kanal 9 meist freundliche Einweiser, die auch die
Leinen annahmen.
Bis
auf die Marina Torre Grande bei Oristano (€46; Wucher, absolut toter 4 km
stadtferner Hafen!) und Alghero (€90 incl. WiFi; teuer aber „Preis-wert“,
bester Hafen Sardiniens, schönste Stadt Sardiniens )
lagen alle Gebühren um oder unter €40,- für 11,95 m Länge! Das zahlt man auf
Fehmarn auch!
Ich
sehe gerne schöne Bilder und damit auch schöne Menschen! Ich habe hier die
schönsten Menschen Europas gesehen, nur auf Haiti habe ich schönere Menschen
gesehen.
Bedingt
durch die hohen Temperaturen sind alle nur sehr leicht bekleidet, bei den Damen
sieht man(n) die tiefsten Dekolletés, die kürzesten Röcke und viele High-Heels
und frau sieht die breiten Schultern und die engsten Hosen.
Wir
amüsieren uns über die vielen Motorbootfahrer mit den großen halbstarren
Schlauchbooten. Die meist jungen bis mittelalten Männer stehen in knappen
Badehosen am Steuer, um ihre tiefgebräunte bella figura zu zeigen (im Sitzen
wirkt das nicht!), die ebenso meist jungen bis mittelalten Damen liegen in
knappstmöglichen Bikinis dekorativ auf dem Vorschiff und demonstrieren
ebenfalls ihre bella figura. Bei manchen Damen und Herren senza bella figura in
ebenso knapper Kleidung schaut man(n) und frau allerdings lieber weg!
Einziger
Malus-Punkt sind die hohen Restaurantpreise auch in einfachen kleinen
Restaurants. Bei der normalen Speisefolge Antipasti, Primi Piatti, Secundi
Piatti (Vorspeise, 1. Gericht, 2. Gericht) und einer Flasche einfachen
Hausweins liegt man für 2 Personen bei 60 – 80 €. Für uns viel zu teuer, denn
alles wird in kleinen Portionen serviert! Vielleicht gibt es deswegen so wenig
fette Menschen hier! Nur Pizza ist preiswert (7 – 12 €) und reichlich! Bisher haben
wir auch nicht zugenommen!
Zusammengefaßt:
Sardinien
ist das schönste Segelrevier, das wir in den 50 Jahren unseres Segellebens
kennengelernt haben.

Von Isola Rossa nach Bonifacio
Am Montag, den 26. Juli
warfen wir in Isola Rossa die
Leinen los, um nach Bonifacio an der Südspitze von Korsika zu segeln. Auf den
nach dem tagelangen Starkwind immer noch ziemlich hohen Wellen segelten wir
gemächlich „bergauf und bergab“. Kurz vor Bonifacio nahmen Wind und Wellen in
unerfreulichem Maße noch weiter zu, so dass wir uns sehr auf einen ruhigen
Abend im Hafen freuten. Leider zu früh gefreut. Kaum hatten wir nämlich die
Hafeneinfahrt von Bonifacio erreicht, kam uns ein Boot der Hafenmeisterei entgegen
und schickte uns wieder fort mit dem Hinweis, dass der Hafen bereits wegen
Überfüllung geschlossen sei. Damit hatten wir nun gar nicht gerechnet. Die
Hafenmitarbeiter boten uns allerdings an, in einem Nebenarm der Hafenzufahrt
unser Boot festzumachen. Dort sind Ringe an den Felsen befestigt, durch die man
die Leinen ziehen kann. Man kann nur rückwärts und dann vor Buganker ablegen.
Da wir im Heck unser Beiboot transportieren, kam diese Art für uns sowieso nicht
in Frage - ganz abgesehen davon waren wir auch nicht bereit, für diesen abgelegenen
Platz (die Stadt ist von dort nur per Beiboot zu erreichen) auch noch Gebühren
zu bezahlen.
Also blieb uns nichts anderes
übrig, als 7 sm weiter zu fahren in die Bucht von Sant’ Amanza. Auf dem
Wege dorthin gerieten wir zu allem Überfluß auch noch in ein richtig ekliges
Schlechtwettergebiet. Starkwind, heftige Regenschauer und Gewitter. In der
Bucht, die wir dann später erreichten, ankerten wir jedoch ruhig und geschützt.
Und außerdem: von Überfüllung keine Spur.
Von Sant’ Amanza aus führte
unser Törn weiter an der südöstlichen Küste Korsikas entlang Richtung Norden
nach Porto Vecchio. Aufgrund der Erfahrungen mit Bonifacio planten wir, bereits
frühen Nachmittag Porto Vecchio zu erreichen in der Hoffnung, so frühzeitig
noch einen Platz im Hafen zu bekommen. Weit gefehlt. Nach ein paar Stunden
wunderbaren Segelns erreichten wir die Bucht und den Hafen und wurden bereits
quasi auf der Zielgeraden, also noch im Fahrwasser, per Funk darauf hingewiesen,
dass der Hafen wegen Überfüllung geschlossen sei. Nun ist das vor Porto Vecchio
absolut kein Problem. Der Ort liegt tief in einer sehr geschützten Bucht,
ähnlich wie Kiel am Ende der Förde, so dass man ohne Probleme außerhalb des
Hafens in der Nähe des Ortes ankern kann. Da wir über ein gutes Beiboot mit
einem zuverlässigen Außenborder verfügen, war uns dieser kostenlose Ankerplatz
finanziell eher willkommen. Gegen Abend fuhren wir mit dem Beiboot in den
Hafen, um von dort zu einem Stadtbummel aufzubrechen. Die Altstadt thront auf
einem Hügel oberhalb der Bucht. Von dort hat man nicht nur einen phantastischen
Ausblick auf die Bucht, den Ort und den Hafen, sondern findet auch Geschäfte,
Restaurants und allerhand Sehenswürdigkeiten. In der Ruine der Zitadelle
entdeckten wir ein kleines Lokal, dass uns wegen seines „Fensters“ zum Tal auf
der Seite zum Landesinneren sehr ansprach. Das Abendessen, das wir beim Gesang
der Zikaden einnahmen, war erfreulich gut und günstig.

Abendessen in Porto Vecchio
Unser Törn von Porto Vecchio
nach Solenzara endete etwas problematisch: Kurz bevor wir Solenzara erreichten,
hatte der Wind erheblich zugenommen. Er pendelte sich bei ca. 30 kn, 6 Bft., ein. Von der Hafenmeisterei erhielten wir den Hinweis,
vorm Hafen zu warten, bis ein Boot uns dort abholen und an einen Liegeplatz
geleiten würde. Immerhin wurden wir nicht sofort wieder abgewiesen. Mit ein
paar anderen Booten kreiselten wir vor der Hafeneinfahrt in einem höchst
unerfreulichen Wellengang bei zunehmendem Wind. Nach etwa einer Stunde wurde
das Warten uns dann allen zu blöde und wir fuhren einfach in den Hafen hinein.
Als da plötzlich 3 Yachten den Hafen „stürmten“, wurden die Burschen der
Hafenverwaltung aber fix. Plötzlich bekamen wir alle schön nacheinander unsere
Liegeplätze und alle waren zufrieden. Solenzara selbst ist eigentlich nur ein
Straßendorf mit Hafen, nicht sonderlich sehenswert. Auch dort im Hafen gibt es
ein WLan, aber leider war die Reichweite so gering, dass man vom Liegeplatz aus
schon nicht mehr ins Internet konnte.
30. Juli 2010
Da wir Solenzara so bald wie
möglich Richtung Norden wieder verlassen wollten, ignorierten wir am 30. Juli
die Windprognose von Meeno Schrader und nahmen lieber die Vorhersage von Meteo
France in Anspruch. Meeno Schrader hatte nämlich nördliche Winde 4-5 Bft.
vorhergesagt, für unseren Törn also direkt von vorn, aber Meteo France
prognostizierte südwestliche Winde um 4 Bft. Diese Windrichtung sagte uns
natürlich erheblich mehr zu. Großer schwerer Systemfehler!!! Zukünftig
verlassen wir uns doch lieber wieder auf Dr. Meeno, denn seine Vorhersage stimmte,
und so bolzten wir fast 7 Stunden gegen 5 Bft. und sich immer höher auftürmende
Wellen an. Außerdem gab es auch noch Gewitter und Regen. Alles in allem ein
höchst unerfreulicher Törn.
Noch einmal sehr spannend
wurde es bei unserer Ankunft im Hafen Porto Taverna. Im Minutentakt trudelten
die Boote in dem sehr kleinen Hafen ein. Die Hafenmitarbeiter sausten in ihren
Gummibooten hektisch umher und konnten kaum so viele Liegeplätze schaffen, wie
benötigt wurden. Aber auch hier gelang es schließlich irgendwie, alle Boote
unterzubringen, allerdings lagen die Boote gepresst wie Sardinen in der Dose!
Und wegen der Windvorhersage der „Wetterwelt“ machten wir in diesem
langweiligen Hafen, der ohne Anbindung an einen Ort einfach so „mitten in der Gegend“
liegt, tatsächlich einen Hafentag. Scheint so, als wären wir noch lernfähig J.
Am Sonntag, 1. August,
erreichten wir bereits
mittags den alten Hafen von Bastia und ergatterten tatsächlich den letzten
freien Platz am Gästesteg. Für Bastia nahmen wir uns zwei Tage Zeit, obwohl die
Stadt nicht besonders sehenswert ist. Wir nutzen jedoch den stadtnah gelegenen
Liegeplatz für einen ausgiebigen Stadtbummel zum einzukaufen und um auf der
Pier ein leckeres libanesisches Abendessen einzunehmen.

Libanesisches Abendessen auf der Hafenpromenade von
Bastia

Fähre nach Genua
Bei wenig Wind segelten wir
am 3. August nach Macinaggio. Wir ankerten dort vor dem Hafen mit ungefähr 80
anderen Yachten. Einen derart belagerten Ankerplatz hatten wir bisher
noch nicht erlebt. Man kam sich vor wie auf einem Campingplatz. Als wir nach
unserem Abendessen im Ort mit unserem Beiboot zurücktuckerten zur Yacht,
mussten wir beinahe suchen, weil die Boote so dicht an dicht lagen, dass unsere
nur mit ziemlicher Aufmerksamkeit zu finden war.

Ankerbucht vor Macinaggio
Beim Ankeraufholen am
nächsten Morgen waren wir tatsächlich etwas in Sorge, ob ein anderes Boot resp.
dessen Ankerkette, möglicherweise über unserem Anker lag. Die Sorge war
unbegründet, wir konnten problemlos starten und erreichten, da wir wegen Flaute
motoren mussten, bereits am frühen Nachmittag die Ankerbucht vor Saint-Florent.
Leider bekamen wir in dem überfüllten Hafen keinen Liegeplatz, deshalb ankerten
wir auch hier vor der Badebucht.
Saint-Florent ist touristisch
völlig überlaufen und nicht sonderlich sehenswert. Allerdings wird die Stadt in
verschiedenen Reiseführern als das St. Tropez Korsikas bezeichnet. In dem
kleinen Ort, der sich um das Hafenbecken herum gruppiert, findet man nur Lokale
und Souvenirshops. Der Zugang zur Zitadelle war während unseres Aufenthaltes
leider versperrt, weil dort am Wochenende ein großes lateinamerikanisches
Musikfest stattfinden sollte. Zeitweilig überlegten wir, in Saint-Florent zu
bleiben, einerseits wegen der Windprognose, andererseits, weil uns auch das
Festival interessierte. Denn die Wetterprognose, die wir am Hafenbüro lasen,
beunruhigte uns ein wenig.

Ankerbucht vor Saint-Florent

Saint Florent
Als abends der „Meteorologe
unseres Vertrauens“ die Vorhersage bestätigte, schauten Hans und ich uns nur an
und verstanden uns ohne Worte. Aufklaren und nix wie weg! Die angekündigten 8-9
Bft. wollten wir nicht gerne in einer Ankerbucht abwettern. Also holten wir um
22.30 Uhr den Anker auf und machten uns auf den Weg nach Calvi. 30 sm = ca. 6
Std. Als wir gegen 4.00 Uhr morgens in Calvi ankamen, war der Hafen, wie
erwartet, natürlich überfüllt. Zum Glück sind jedoch während der Hauptsaison in
der riesigen Bucht Bojen ausgelegt, an denen man anlegen kann. Wir fanden eine
freie und waren froh, das Boot an einer Boje gesichert zu haben, denn bereits
am Morgen begann der angekündigte Sturm über die Bucht zu fegen. Der Anblick der
Bucht, der sich uns bei Tagesanbruch bot, verschlug uns fast die Sprache: Vor
Calvi lagen nicht nur ca. 80 Boote, wie vor Macinaggio, sondern eher an die 150-200
Yachten, fein säuberlich aufgereiht und festgemacht an gut gesicherten Bojen.
Leider bildete sich in der
Bucht sehr starker Wellengang, so dass das Bordleben auch noch durch heftige
Schaukelei erheblich beeinträchtigt wurde. Mir reichte es eigentlich schon,
dass das Boot an der Bojenleine zerrte und hin und her tänzelte wie ein aufgeregter
Kettenhund, aber dank der Wellen schaukelte es auch noch auf und nieder und hin
und her. Wir konnten kaum schlafen, weil wir immerzu heftig geschaukelt wurden.
Das Streichen eines Butterbrotes geriet zum Abenteuer, weil man eigentlich
schon alle Hände voll damit zu tun hatte, sich selbst festzuhalten, und nicht
auch noch gleichzeitig Brot, Butter und Belag. Ehe man sich versah kollerte die
Wurst durch den Salon, die Butterdose rutschte so schnell hin und her, dass man
sie kaum zu fassen bekam und das Marmeladenglas sauste ungebremst in Richtung
Waschbecken. An Kaffeekochen war gar nicht zu denken. Den Kaffee tranken wir
dann später an Land in einem der am Kai gelegenen Cafes.

Starkwind in der Ankerbucht vor Calvi
6. August 2010
Wir nahmen uns vor, möglichst
bald von Calvi aus über Porquerolles die Heimfahrt anzutreten. Unseren ersten
diesbezüglichen Versuch starteten wir gegen Mitternacht. Wir verließen ganz
zuversichtlich die Bucht, mussten aber in Höhe des Golfes de Revellata
feststellen, dass Wind und Wellen für einen Nachttörn erheblich zu stark waren.
Also kehrten wir um, lagen um 2 Uhr wieder an der Boje und schliefen bis zum
nächsten Mittag. Inzwischen war der Wind schwächer geworden, so dass wir
aufbrechen konnten. Gegen 15.00 Uhr verabschiedeten wir uns von Calvi und
Korsika und segelten Richtung Côte d’Azur.
Am nächsten Morgen erreichten
wir gegen 11.00 Uhr Porquerolles. Der Trubel, der uns dort erwartete, übertraf
alles bisher Dagewesene. Die rund um den kleinen Hafen gelegenen Ankerbuchten
waren voller Boote, die dicht an dicht ankerten. Im Hafen selbst herrschte ein
ständiges Kommen und Gehen von Yachten aller Größenordnungen und die Schlange
derer, die sich in der Hafenmeisterei anmelden wollten, war so lang, dass die
Mitarbeiter jeweils nur dann 2 Leute einließen, wenn zwei andere die Formalitäten
erledigt hatten. Als ich mich schließlich soweit vorgearbeitet hatte, dass ich
im Schatten vor der Zugangstür warten konnte (dort hatte ich immer noch 15
Personen vor mir), öffnete sich die Tür und ein Mitarbeiter verkündete, dass er
nur noch Liegeplätze ohne Wasser und Elektrizität, aber immerhin zum stolzen
Preis von 45 Euro zur Verfügung habe. In diesem Augenblick stand fest, dass wir
weitersegeln würden. Hyeres war nicht mehr weit, und dort bekamen wir
tatsächlich einen Liegeplatz MIT Wasseranschluß und Elektrizität zum Preis von
42 Euro. Nach der 20stündigen Überfahrt von Korsika an die französische Küste
genehmigten wir uns in Hyeres einen ruhigen Hafentag.

Hans und Rosi vor den Palmen des Yachthafens von Hyères
Von Hyeres aus segelten wir
an der Côte d’Azur und all den hübschen kleinen Orten wie Sanary, Bandol,
Cassis, entlang. Zeitweilig hatten wir wegen der Vielzahl der Yachten um uns
herum das Gefühl, uns auf einer Art Autobahn für Boote zu befinden. Der Betrieb
war unbeschreiblich. Je weiter wir jedoch nach Westen kamen, umso weniger Boote
waren unterwegs. Wer will denn auch schon nach Port St. Louis du Rhône resp.
Port Napoleon !!
;-)))

Der Yachthafen von Port St. Louis
Wir motorten die meiste Zeit,
manchmal mit Unterstützung der Segel, da wir unbedingt noch am Dienstag in Port
Napoleon ankommen wollten, denn für die nächsten Tage war mal wieder Mistral
angekündigt. Wir hatten einfach keine Lust mehr, noch einmal in irgendeinem
proppevollen und überteuerten Hafen eingeweht zu werden.
Wir erreichten Port Napoleon
am 10. August gegen 20.00 Uhr und legten wieder am Besuchersteg an. Dort
klarten wir das Boot in aller Ruhe auf. Bei unserer Ankunft in Port Napoleon
war Hans sehr wehmütig. Er sagte zwar, dass die Entscheidung, das Boot zurückzubringen,
vernünftig sei - aber so ganz mit dem Herzen war er nicht dabei. Ich hatte den
Eindruck, dass er am liebsten noch einmal rund um Sardinien segeln würde.

Port Napoleon
Stimmt!
Am 6. September kam der
Spediteur, der es auf den LKW packte und heil zurückbrachte nach Laboe. Dort liegt
es jetzt quasi vor unserer Haustür und sieht am 5. Dezember 2010 so aus!

