Reisetagebuch 2008 „Eagle Spirit 2“

 

Teil 1: Frankreich

 

In diesem Jahr sind wir erst am 21. Mai in Richtung Frankreich losgefahren und trudelten am 23. Mai vergnügt in Port Napoleon ein. Die Sonne schien bei 24 Grad vom strahlend blauen Himmel, es wehte ein kräftiger Wind aus SO. Im Port Napoleon hat sich einiges verändert. Die Capitainerie ist umgezogen in das „Lighthouse“-Gebäude, das nicht nur einen neuen „Patron“, sondern inzwischen sogar schon ein Dach hat. Selbst die Sanitäranlagen sind fast fertiggestellt. Das Wetter an den folgenden Tagen war nicht so traumhaft. Regen, Gewitter und immer wieder Scirocco erschwerten und verzögerten unsere notwendigen Bootsarbeiten.

 

Starkwind mit Regenschauern und Gewittern begleiteten uns durch unsere Arbeitswoche. Einen verabredeten Krantermin mussten wir absagen, weil wir mit den Außenarbeiten am Schiff aufgrund der Wetterbedingungen nicht fertiggeworden waren. Aber die Standardantwort auf Sonderwünsche in Port Napoleon lautet auch in diesem Jahr wieder:

"Pas de problème! - No problem! - Kein Problem!"

 

Am Wochenende 31. Mai / 1. Juni machten wir Ausflüge nach Stes. Maries de la Mer und Marseille.

 

1. Juni 2008

 

Gegen Abend wieder einmal starker Wind aus SO mit Regenschauern und Gewittern.

 

2. Juni 2008

 

Endlich konnten wir kranen. Seit dem 2. Juni lag unser Dampfer wieder im Wasser. Und wir hatten noch jede Menge Arbeit mit Deck schrubben, Beiboot herrichten, bunkern. Unser Beiboot sah nach der letzten Saison und einem versehentlich benutzten völlig falschen Reinigungsmittel aus, als sei es reif für die Müllhalde. Per Zufall entdeckte Hans, dass man es wunderbar mit Verdünnung reinigen konnte. So haben wir denn diese wahrhaft eklige Arbeit auf uns genommen und unsere „Gummisau“ gründlich geputzt. Nun sieht sie wieder aus wie neu und wir sind richtig stolz auf das Ergebnis unserer Arbeit.

 

Reinigungsarbeiten am Beiboot

Vorher                            -                     nachher

 

Viel Arbeit gab’s ….

 

Da wieder einmal Mistral herrschte, konnten wir unseren beabsichtigten Törnbeginn am Mittwoch, 4. Juni, leider nicht realisieren. Wir planten, am Montag, 9. Juni, aber wirklich endgültig abzulegen.

 

Und dann brach Hans sich beim sonntäglichen Abendessen einen Backenzahn ab. Wieder einmal stand der Beginn unseres Törns auf der Kippe. Hans wollte ja nun nicht sehr gerne mit diesem abgebrochenen Zahn auf Reisen gehen und plante, am Montagmorgen zuerst einmal einen Zahnarzt aufzusuchen. Allerdings scheiterte dieses Vorhaben: die angeblich so große und fortschrittliche Zahnarztpraxis weigerte sich, Hans als Notfallpatienten zu behandeln. So sind wir denn doch einfach losgefahren, immer in der Hoffnung, dass die Zahn-Ruine keine Probleme bereiten würde.

 

12. Juni 2008

 

Am 10. Juni kamen wir in Port Camargue an. Das ist wirklich eine unglaubliche Hafenanlage. Sie liegt in einem vom Meer aus zugänglichen Binnensee, in dem sich außer dem eigentlichen Yachthafen und diversen Marinas künstlich angelegte Halbinseln befinden, die mit großen Ferienwohnanlagen bebaut sind. Zu jeder dieser Ferienwohnungen gehört auch ein eigener Bootsanleger. Insgesamt finden in dieser Yachthafen- und Ferienanlage 4800 Boote Platz – in Wendtorf sind gerade mal 980.

 

Port Camargue

 

Die Betreuung durch die Capitainerie ist sehr kompetent und freundlich. Man vermittelte Hans noch am Tage unserer Ankunft einen Zahnarzttermin. Fahrräder stehen kostenlos zu Verfügung, so sauste er dann auch gleich in den Ort, um sich dort behandeln zu lassen. Das klappte alles völlig reibungslos, so dass wir inzwischen ein klein wenig die Hoffnung hegen, dass unsere „Pechsträhne“ zu Ende ist.

 

Der alte Teil des Ortes Le Grau du Roi ist durchaus sehenswert, wenn auch touristisch völlig überlaufen – trotz Vorsaison. Wenn die Hitze nicht allzu groß war, gingen wir mit den Fahrrädern auf Entdeckungsreisen.

 

Le Grau du Roi

 

 

Wir saßen gerade gemütlich beim Abendessen im Cockpit, als unterhalb der Capitainerie ein großes Boot des französischen Zolls anlegte. Mir schwante nichts Gutes. Mit Zoll und Grenzbehörden habe ich ja so meine kleinen Probleme. Und tatsächlich: etwa eine halbe Stunde später klopfte es bei uns und zwei Zöllner baten um Einlaß. Sie kamen ganz gelassen an Bord, wünschten guten Appetit zum Abendessen, ließen sich aber zuvor von Hans unsere bisherige und zukünftige Route erläutern und kontrollierten unsere Papiere. Ich habe nur still im Cockpit gesessen und mich vor mich hin gewundert. Jedenfalls waren diese Zöllner harmloser als die, die uns auf offener See vor Holland (oder war’s Belgien?) kontrolliert hatten. Die Franzosen durchsuchten im Gegensatz zu den Niederländern weder unsere Besteckschränke noch meine Unterwäsche. Trotzdem finde ich es jedes Mal unangenehm, diese Männer an Bord zu erleben. Wir sind doch alles Europäer – in einem angeblich einigen Europa kontrolliert man sich immer noch gegenseitig voller Misstrauen? Weshalb sind denn eigentlich alle Grenzen geöffnet und alle Grenzkontrollen an Land abgeschafft worden, wenn man einander auf See immer noch voller Argwohn begegnet? Hans nimmt diese Art Besuch an Bord jedes Mal voller Gleichmut hin, während ich mich wirklich zwingen muß, ruhig zu bleiben. Zum Glück bin ich der Sprache nicht mächtig, so dass ich schon aus diesem Grund meinen Mund halte. Aber es gibt mir doch sehr zu denken, dass wir in 10 Jahren Ostsee-Segelei nicht ein einziges Mal von unseren skandinavischen Nachbarn kontrolliert worden sind, während solche Kontrollen im Süden offenbar zum Tagesgeschäft gehören.

 

13. Juni 2008

 

Endlich mal ein Segeltag nach unserem Geschmack. Zum „Aufwärmen“ war’s morgens zuerst schwachwindig, dann nahm der Wind kontinuierlich zu, so dass wir wunderbar segeln konnten. Lästig war nur, dass er wieder einmal genau aus der Richtung kam, in die wir fahren wollten. Am späteren Nachmittag hatte der Wind erheblich zugenommen, zeitweilig bis auf 6 Bft. In der Genua hatten wir schon das 3. Reff. Trotzdem verursachte eine unverhofft starke Böe zusammen mit einem krassen Winddreher eine Halse und legte unser Boot flach auf die Seite. Der ganze Hafenstaub auf der Backbordseite wurde weggespült, weil wir bei diesem unplanmäßigen Manöver praktisch die Reling durchs Wasser zogen. Zum ersten Mal während all unserer gemeinsamen Segeljahre habe ich erlebt, dass Hans sich aus Sicherheitsgründen auf den Boden fallen ließ.

 

Jedenfalls schoß unser stolzer Adler schwungvoll in den Wind, und wir hatten einiges zu tun, um ihn anschließend wieder auf Kurs zu bringen. Das war ein gehöriger Schreck in der Nachmittagsstunde.

 

Gegen 17.00 Uhr kamen wir in Sete an. Nach einigem Hin und Her fanden wir trotz einer bevorstehenden Regatta einen Gästeplatz in einem sehr schmutzigen Hafenbecken, wo uns der starke Schwell ein paar unruhige Stunden bereitete.

 

Sete

 

Nach unserer Ankunft wollten wir unseren obligatorischen Festmacher trinken, zu dem ich aber eine Scheibe Brot haben wollte. Ich holte also das Brot aus dem Kühlschrank und säbelte mir eine Scheibe ab - allerdings so „gekonnt“, dass ich die halbe Fingerkuppe meines linken Mitttelfingers beinahe mit abgeschnitten hätte. Jedenfalls ließ ich vor Schmerz und Schreck das Brotmesser los, stieß dabei gegen den Kühlschrankdeckel, der mit Schwung zuklappte – er wiegt ja einiges – und dabei das Brotmesser abbrach, das so halb auf dem offenen Kühlschrank gelandet war. Meine fast abgeschnittene Fingerkuppe blutete und schmerzte heftig, das Messer war hin und ich total wütend auf mich selbst, weil ich mich so blöd angestellt hatte.

 

In Zukunft schneidet Hans unser Brot oder wir kaufen es gleich geschnitten. Soviel zum Thema „Pechsträhne“.

 

16. Juni 2008

 

Von Sete aus sind wir nach Cap D’Agde gesegelt. Auch das war wieder ein abwechslungsreicher Segeltörn, bei dem uns sowohl Flaute als auch häufige Starkwindböen „auf Trab“ hielten. Cap D’Agde ist eine aus dem Boden gestampfte Ferienanlage, ähnlich wie Port Camargue, nur längst nicht so schön. Nach einer Übernachtung sind wir direkt am nächsten Morgen weitergesegelt nach Gruisson. Auf diesem Törn schwächelte der Wind, kam aber aus 120 Grad, so dass wir mehr als die Hälfte der Strecke unter Gennaker zurücklegen konnten.

 

In Gruisson Neuf verbrachten wir einen Hafentag bei diesigem, regnerischen Wetter. Der Yachthafen liegt mitten im Ortszentrum der Ferienanlage, die Hafenanlage selbst ist weitläufig und verwinkelt.

 

Im Turm befindet sich die Capitainerie

 

Der Hafen Gruisson-Neuf von Westen aus gesehen

 

Der 1000 Jahre alte Ort Gruisson mit seinen malerischen Gassen und der oberhalb der Häuser thronenden Burgruine ist ca. 2 km vom Hafen entfernt. Von der Burgruine aus hat man einen herrlichen Blick auf das Dorf, den großen Etang de Gruisson und die Salzgewinnungsanlagen am Meer. Der Hafen und auch die Umgebung gefielen uns ausgesprochen gut. Hans hat sogar eine Reservierung für ein mögliches Winterlager für unser Boot dort gebucht. Verkehrstechnisch gesehen liegt Gruissan ganz günstig. Perpignan mit seinem großen Flugplatz ist mit Bus und Bahn relativ einfach zu erreichen

 

Das Wetter war insgesamt bisher sehr wechselhaft. Oft war es bewölkt und regnerisch, die Tagestemperaturen überstiegen kaum die 25 Grad. Wind hatten wir mehr als genug, häufig sogar erheblich mehr, als uns lieb war. Mittelmeersommerwetter wie in den vergangenen Jahren – Sonnenschein bei permanent blauem Himmel – war in den ersten Wochen unserer Sommerreise eher die Ausnahme.

 

18. Juni 2008

 

Nach einem weiteren, leider fast völlig verregneten und kalten Hafentag in Gruisson segelten wir an diesem Mittwoch nach Leucate. Das Wetter war erfreulicherweise endlich wieder sommerlich. Trotz schwacher Winde blieben wir unserem Vorhaben, auch bei Schwachwind den Motor nicht einzuschalten, treu und segelten, lange Zeit unter Gennaker, über die gesamte Distanz von Gruisson bis Leucate. Erst dort in der Hafeneinfahrt wurde der Motor angeworfen.

 

Was wir dann dort erlebten, übertraf alle Erwartungen. Der hoch gepriesene Yachthafen in der modernen Ferienanlage erwies sich als Werfthafen voller Werkstätten und Betriebe. Es war laut, dreckig und ungepflegt. Die Stege haben ungeschützte Betonsockel, so dass man beim Anlegen sehr aufpassen muß, um nicht anzustoßen und Schäden am Bug zu verursachen. Trotzdem legten wir erst einmal an und meldeten uns in der Capitainerie. Bei unserem späteren Spaziergang in Richtung Ort packte Hans jedoch beim Anblick der Wolken, die wieder kräftigen Wind verhießen, das kalte Grausen. Einzuwehen in Leucate käme einer Verbannung in die hintere Mongolei gleich. Er schlug vor, schnellstens, also innerhalb der nächsten halben Stunde, wieder aus Leucate zu verschwinden. „Und wenn wir bis Port Vendres (20 sm) motoren müssen ……“

 

Also beendeten wir abrupt unseren Spaziergang und marschierten zurück zur Hafenmeisterei, meldeten uns ab (zum Glück hatten wir noch nicht bezahlt) und verließen diesen „einladenden“ Hafen fluchtartig.

 

Der Wind meinte es dann aber nicht mehr so gut mit uns: er kam genau aus der Richtung, in die wir fahren mussten. Also blieb uns tatsächlich nichts anderes übrig, als zu motoren. Ein kontinuierlich zunehmender Wind plagte uns. Als wir schließlich 5 Bft aus S einschließlich der entsprechenden Wellen gegen uns hatten, brachen wir unseren Törn nach Port Vendres auf der Höhe von Canet-Plage ab und liefen in den dortigen, sehr schönen Yachthafen ein. Und prompt verabschiedete sich auch der Wind !! Allerdings war es mittlerweile 18.00 Uhr, so dass eine Weiterfahrt nach Port Vendres ausgeschlossen war.

 

Abendstimmung in Canet

 

19. Juni 2008

 

Teils unter Motor teils segelnd kamen wir an diesem Tage endlich bis Port Vendres, unserem vorläufig letzten französischen Hafen. Erstaunlicherweise erwischten uns in der Hafeneinfahrt heftige Böen, die mit Schwung und ca. 5 Bft, die Berge hinabgesaust kamen. Mit Hilfe des netten, aber nicht sehr aktiven Hafenmeisters wurden wir auf den Liegeplatz bugsiert, auf dem wir vor zwei Jahren schon einmal ein paar Tage gelegen hatten.

 

Der Nachmittag verging wie im Fluge. Wir wanderten ein wenig herum, tranken heißen Kaffee oder kühlen Wein und genossen so richtig aus vollem Herzen unseren „gefühlten“ ersten Urlaubstag. Wir mögen Port Vendres sehr, und dieses Wohlbehagen trug natürlich erheblich zu der guten Stimmung bei.

 

Port Vendres

Pannenhilfe per Muskelkraft

 

20. Juni 2008

 

Als wir heute morgen das Rollo vom „Schlafzimmerfenster“ aufzogen, zeigte sich endlich das Bild, auf das ich schon so lange warte: strahlend blauer Himmel, kein Wölkchen zu sehen, Sonnenschein und Wärme pur. Wir trödelten so herum, gingen ins Internetcafe genossen es, einfach Zeit zu haben in diesem reizvollen Ort bei dem herrlichen Wetter. In Erinnerung an frühere Aufenthalte am Mittelmeer zogen wir uns mittags ins schattige, wenn auch heiße Schiff zurück und hielten Siesta. Da klopfte es plötzlich lautstark. Schon wieder der Zoll !! Diesmal kamen sie mit 5 (i.W.: FÜNF) Personen an Bord, um unsere Papiere zu kontrollieren. Sie waren wieder, wie auch in Port Camargue, freundlich und zurückhaltend, interessierten sich auch nicht für unsere Stauräume: aber meine Wut über diese für mich völlig unverständlichen Kontrollen war so groß, dass mir hinterher schlecht war und ich Kopfschmerzen bekam. Ich begreife einfach nicht, warum hier ein EU-Land das andere derart intensiv überwacht. Ich fühle mich kontrolliert und beobachtet und misstrauisch belauert. Mein Frankreich-Bild hat heute ein paar Kratzer bekommen. Hans lacht sich kringelig über meine Empfindlichkeit!

 

 

Teil 2: Spanien

21. Juni 2008

 

An diesem sonnigen und heißen Samstag verließen wir Port Vendres gegen Mittag, um unseren ersten spanischen Hafen anzulaufen.

 

Der Wind war wieder einmal ziemlich unschlüssig, sowohl Stärke als auch Richtung betreffend. Wir mussten „hart arbeiten“, um jeweils die richtige Segelstellung zu finden, Hans pendelte nur zwischen Winschen und Navigationsrechner, weil wir mal in diese, mal in jene Richtung kreuzen mussten.

 

Am späten Nachmittag erreichten wir dann schließlich unsere Ankerbucht bei Puerto de Selva. Viva España! In der windarmen Bucht war es heiß wie im Backofen und nachdem wir unseren „Eagle“ anständig verankert hatten, sprangen wir erst einmal ins 23 Grad warme Wasser, was nur eine milde Abkühlung bewirkte.

 

 

Ankerbucht La Selva

Die Badesaison ist eröffnet

 

Wir verlebten einen wunderschönen Mittsommer-Abend in der Ankerbucht. Die Sonne ging erst gegen 21.30 Uhr unter. Der Dunst über dem Meer färbte sich graurosa, während die Häuser des Ortes im letzten Sonnenlicht strahlend weiß leuchteten. Der Sonnenuntergang fand hinter einem Berg statt, dessen Kuppe durch das letzte Sonnenlicht quasi vergoldet wurde. Der Wind ließ nach und allmählich wurde die Wasseroberfläche glatt wie ein Spiegel. Von den anderen in der Bucht liegenden Yachten hörte man leises Stimmengemurmel – aber dann begannen die Einheimischen die Mittsommernacht zu feiern. Böller wurden gezündet, laute Gesänge angestimmt. Der Krach der Böller hallte in den umliegenden Bergen lange wider, so dass wir zeitweilig den Eindruck hatten, in eine Treibjagd geraten zu sein. Die Böllerschüsse wurden begleitet von lautem Gegröle. Aus war’s mit der romantischen Ankerbucht-Stimmung. Aber trotzdem fanden wir’s schön, dort mit unserer Yacht zu liegen.

 

22. Juni 2008

 

Sozusagen im Sturmschritt verließen wir am nächsten Morgen unsere romantische Ankerbucht. Mit dem Wind von vorn – woher sonst – der Stärke 5-6 Bft. kreuzten wir bis Puerto de Rosas. Dort geriet das Anlegemanöver wegen der noch immer sehr steifen Brise von 5-6 Bft. zum Abenteuer. Eigentlich hatten wir vorgehabt, auch in dieser Bucht zu ankern – aber da der Wind nicht nachließ und außerdem ungebremst mitten in die Bucht tosen konnte, zogen wir einen sicheren Hafenplatz vor. Ruhig war’s dort allerdings nicht. Der Wind traf auf das Heck unseres Bootes und klatschte die Wellen, die sich sogar im Hafen aufbauten, munter unter das Heck. Das verursachte ganz schön viel Krach im Schiff – von der lästigen Schaukelei mal ganz abgesehen.

 

23. Juni 2008

 

Ostsee-Feeling. Kaum hatten wir die Bucht von Puerto de la Roses hinter uns, gerieten wir in relativ dichten Nebel. Wie in feuchte Watte gepackt segelten wir dahin. Weder Land noch Horizont waren zu sehen, nur „Milchsuppe“ um uns herum. Wieder einmal waren wir sehr froh, ein Radargerät zu haben. So konnten wir wenigstens auf dem Bildschirm den Schiffsverkehr um uns herum beobachten.

 

Durch den Nebel beschlugen unsere Brillen und es wurde feucht und kalt – für Mittelmeer-Verhältnisse. Ich begann schon angesichts des Nebels zu frieren und die Erinnerung an so manchen Törn bei ähnlichem Wetter in der Ostsee trieb mir Kälteschauer über den Rücken. Ich holte sogleich meine dicke Fleecejacke aus dem Schrank. Welch ein Quatsch!! Es war zwar neblig, aber dabei immer noch 25 Grad warm. Nur allein der Anblick des Nebels reichte für mich, um eine Kälte zu spüren, die gar nicht vorhanden war.

 

Von Puerto de Rosas bis L’Estartit sind wir gekreuzt. Wir hatten trotz des Nebels richtig schönen Wind, den wir auch bis zu den letzten Metern in unserer Ankerbucht ausgenutzt haben. Vor L’Estartit, einem fürchterlichen Ferien-Zentrum an der Costa Brava, haben wir geankert. Es schaukelte allerdings trotz Windstille arg, aber das hat uns nicht sonderlich gestört. Man schläft zwar nicht so tief, weil man immer hin- und hergerollt wird, aber das ist ja auch nicht so schlimm, denn im Grunde sind wir ja bereits richtig ausgeruht und ausgeschlafen.

 

Der Abend in der Ankerbucht gestaltete sich jedoch letztendlich höchst unbehaglich. Dabei fing alles so nett an: gegen 20.00 Uhr begann ein grandioses Feuerwerk, das wir vom Cockpit unseres Bootes aus natürlich wunderbar betrachten konnten. Wir hatten quasi einen Logenplatz, und kein noch so kleiner Feuerwerkskörper entging unseren Blicken. Ununterbrochen wurden Raketen in den Nachthimmel gejagt. Die Knallerei erreichte gegen 23.00 Uhr einen Höhepunkt mit einem so großartigen Feuerwerk, wie wir es noch nie zuvor gesehen hatten. Parallel dazu wurde am Strand ein riesiges Feuer angezündet, dessen Flammen haushoch schlugen. Gleichzeitig ging die Knallerei mit Feuerwerkskörpern weiter. Obendrein begann dann auch noch eine Band zu spielen, die ihre Lautsprecher „freundlicherweise“ genau auf unseren Ankerplatz hin ausgerichtet hatte. Nun kam zu dem anhaltenden Feuerwerk auch noch lautstarke Musik. Gegen Mitternacht war unsere Schmerzgrenze hinsichtlich des Feuerwerks eigentlich erreicht. Aber es nahm und nahm kein Ende. An Schlafen war überhaupt nicht zu denken. Gegen 2 Uhr sind wir dann trotz des Lärms ringsum in die Koje gestiegen. Ich lobe und preise mal wieder den Erfinder von Ohropax.

 

Aber dann drehte auch noch der Wind und trieb hohe Wellen in die Bucht. Eagle Spirit schaukelte wie im Sturm. Merkwürdigerweise lagen wir quer zu den Wellen und schaukelten so heftig hin und her, dass wir das Gefühl hatten, bei jeder Bewegung die jeweilige Reling ins Wasser zu tauchen. Im Schiff rappelte und klapperte es fürchterlich. Das Geschirr rutschte im Schrank hin und her, nicht rechtzeitig aufgeräumte Pfirsiche kollerten durch den Salon, die Kleiderbügel in den Schränken rasselten, Bücher flogen aus den Schapps – es war einfach chaotisch. Hans und ich rollten in unserem Bett hin und her, stießen uns die Köpfe aneinander und an den Wänden und wünschten uns sehnlichst eine kardanisch aufgehängte Koje. Schließlich zog Hans um in die Koje im Achterschiff, die groß genug ist, das er sich dort quer hinlegen konnte. Ich machte das Gleiche in unserem „Ehebett“. So kullerten wir jetzt wenigstens nicht mehr umeinander.

 

Und zu unserer großen „Begeisterung“ ging inzwischen draußen das Feuerwerk in die dritte Runde. Erst morgens gegen 4 Uhr ließ die Knallerei nach. Wir haben kaum geschlafen in der Nacht. Morgens haben wir nur den Motor angeschmissen und sind unter Motor aus der Bucht raus und in den nächsten Hafen, San Feliu De Guixols, gefahren, um uns dort auszuruhen und auszuschlafen.

 

27. Juni 2008

 

In San Feliu De Guixol haben wir meinen Geburtstag gefeiert. Hans fand mit sicherem Gespür ein ausgesprochen angenehmes Strandlokal, in dem wir uns mit lokalen Spezialitäten und einer Zaubervorführung des Kellners verwöhnen ließen. Ich hatte sowieso einen besonders schönen Tag, weil ich mich über viele Gratulationen freuen konnte.

 

Am 26. Juni 2008 verließen wir den Ort, um unser nächstes Etappenziel, Mataró, anzusteuern. Dort ankerten wir außerhalb des Hafens in einer Badebucht, die wir auch als solche nutzten. Es tut ja wirklich unglaublich gut, wenn man nach einem hitzigen Tag am Nachmittag in das gar nicht mehr so kühle Mittelmeer springen kann. Die Tagestemperaturen erreichten inzwischen  locker die 30 Grad-Marke, das Wasser hatte so um die 25 Grad. Die Wetterprognose von Meeno Schrader verhieß uns eine ruhige Nacht mit wenig Wind aus Westen, und so legten wir uns nach einem abendlichen Stadtbummel beruhigt schlafen.

 

Leider irrte Herr Schrader gewaltig. Gegen halb drei in der Nacht wurde ich vom Heulen und Pfeifen des Windes wach. Ein Blick auf die Windanzeige war dann ziemlich erschreckend: WNW 7 Bft., in Böen 8. Allerdings stimmte die Ankerpeilung noch, so dass ich mich zwar nicht sonderlich ruhig, aber doch halbwegs gelassen wieder ins Bett legte. Die Gelassenheit verschwand jedoch mit einem Donnerschlag. Ein Blick nach draußen zeigte ein Gewitter. Und vor Gewitter auf See habe ich höllische Angst. Inzwischen hatte sich auch die GPS-Positionsanzeige geändert. Leider habe ich sie völlig falsch interpretiert, was zu Folge hatte, dass Hans sich behaglich grunzend erst einmal wieder auf die andere Seite drehte und weiterschlafen wollte. Aber irgendwie wurde er dann doch unruhig und stand auf, um alles zu kontrollieren. Dabei entdeckte er, dass wir mit 1 Kn Geschwindigkeit munter aufs offene Meer hinaus trieben. Ein Blick auf die Instrumente zeigte, dass wir inzwischen 15 m Wassertiefe unter uns hatten, den Anker aber nur auf 5 m Wassertiefe, d.h. 15 m Kettenlänge ausgebracht hatten. Das bedeutete, dass unser Anker gar nicht mehr ankerte, sondern lose am Bug herumbaumelte. Zum Glück trieb der Wind uns aufs Meer hinaus und nicht auf Land zu. Jedenfalls war unsere behagliche Nachtruhe um 3 Uhr zu Ende. Trotz all dieser Probleme blieb Hans jedoch ganz ruhig. Er holte zuerst einmal den Anker ein, und fuhr uns dann in den Hafen von Mataró, wo wir für die Dauer des Unwetters Schutz suchen wollten.

 

Das einfachste schien uns, direkt an der Tankstelle anzulegen, die während der Nacht ja sowieso nicht in Betrieb ist. Sobald es hell wurde, wollten wir dann von dort wieder verschwinden. Aber soweit kam es gar nicht erst. Ein Mann des Wachdienstes erklärte uns ebenso freundlich wie unnachgiebig, dass er es nicht gestatten könne, dass wir an der Tankstelle liegen. Er wies uns einen Liegeplatz zu, den wir aber bei dem herrschenden Starkwind unter keinen Umständen anfahren konnten. Hans diskutierte weiter, der Wachmann blieb unnachgiebig. Sein Chef bestärkte ihn in dieser Haltung. Wir hätten allerdings bleiben dürfen – so zumindest habe ich es verstanden – wenn wir dem Wachmann unsere Papiere ausgehändigt hätten. Aber das wollten wir ja nun nicht und so mussten wir wohl oder übel aus dem sicheren Hafen verschwinden. Puh, war ich wütend. Wo ich doch solche Angst vor Gewitter auf See habe! Außerdem goß es wie aus Eimern, wir beide waren nach ein paar Minuten naß bis auf die Haut. Hans schlug ganz locker vor, dann doch gleich nach Barcelona zu motoren, wenn wir uns schon die Nacht um die Ohren schlagen müßten. Das Wetter würde uns doch wohl nicht so viel ausmachen, da hätten wir schon anderes Wetter abgeritten. Naja, ein wenig beklommen war mir schon zumute, bei soviel Gewitter und Starkwind ringsum. Wenn man auf See ist, sieht man allzu deutlich, wo sich gerade ein Gewitter bildet und wo es sich dann entlädt. Und in unserem Fall stand der Wind so, dass zu befürchten war, dass die Gewitter auf See hinaustreiben und uns erwischen würden.

 

Ein fürchterlicher Wind und starker Regen begleitete uns zu Anfang auf der Fahrt in Richtung Barcelona, aber zum Glück waren wir doch ein klein wenig schneller als die Gewitter resp. bremsten ab, als wir uns einem vor uns liegenden zu schnell näherten. Wir erreichten Barcelona gegen 8.30 Uhr, bekamen einen Liegeplatz und lagen um 10.00 Uhr sicher und gut vertäut im Port Vell, ganz nah an der Stadt, die wir dann in aller Ruhe besichtigen wollten.

 

Barcelona ist eine faszinierende Stadt. Erfreulicherweise befindet sich in der Nähe des Yachthafens eine Haltestelle der Sightseeing-Busse, mit denen man unbedingt eine Stadtrundfahrt machen sollte. Man bekommt auf dieser Rundfahrt einen phantastischen Überblick über all die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt. Es ist möglich, an bestimmten Stellen die Rundfahrt zu unterbrechen, um Besichtigungen zu unternehmen. Später steigt man dann wieder in den Bus und setzt die Tour fort. Wir nahmen gleich am Tage unserer Ankunft, obwohl wir von der durchwachten Nacht noch ziemlich müde waren, an einer Besichtigungsfahrt teil.

 

Die Gebäude des Architekten Gaudi begeisterten uns. Mit ihren geschwungenen Formen und Balkonen, die an Höhlen erinnern, bilden sie einen krassen Kontrast zu den umstehenden modernen Häusern. Wir schlenderten durch das Barri Gotic, das Stadtgebiet Barcelonas, das angeblich bereits zur Zeit der Römer existierte. Dort muß man schon ein wenig achtgeben, daß man sich nicht verläuft, denn enge und verwinkelte Gassen verlaufen tatsächlich kreuz und quer und jede für sich ist sehenswert. Natürlich fehlten auch Spaziergänge auf der Rambla, der Prachtstraße, nicht. Wir konnten uns an diesem Spektakel gar nicht sattsehen. Da sind Gaukler und Straßenkünstler, Pantominen und die unbeweglichen Figuren und sowohl Touristen als auch einheimische Bürger unterwegs. Museen haben wir nicht besucht, für uns war das "pralle Leben" in der turbulenten Stadt interessanter.

 

Turmspitzen der „Sagrada Familia“

 

An der Kathedrale „Sagrada Familia“ wird seit 100 Jahren gebaut, und sie ist weit davon entfernt, fertig zu sein. Noch mindestens weitere 100 Jahre werden die Baumaßnahmen dauern, um diese imposante Bauwerk fertigzustellen.

 

 


 

Torre Agbar bei Tag …

 

 

 

 

 

und bei Nacht!

 


Ein Gaudi-Gebäude in Barcelona

 

Die Yachthäfen von Barcelona von der Seilbahn aus gesehen

 

In Barcelona verbrachten wir zwei sehr interessante Tage. Von dort aus segelten wir bis Sitges, wo wir draußen in einer Ankerbucht übernachteten und somit weit entfernt waren von den fröhlichen und lautstarken Siegesfeiern der Spanier nach dem Fußball-Europa-Cup.

 

30. Juni 2008

 

Tarragona. Der Yachthafen liegt etwas isoliert unterhalb der Stadt. Um den Hafen herum hat man Gebäude errichtet für Shipchandler, Cafes, Restaurants etc. Aber leider existiert in der unteren Etage dieser großen Anlage, also auf Höhe des Yachthafens, nur noch ein Restaurant. Alle anderen Geschäfte und Lokale haben mangels Kundschaft bereits aufgegeben. Auf Straßenhöhe gibt es noch einige kleine Kneipen und Imbißbuden. Um in die Stadt zu gelangen, muß man die Bahngeleise überqueren und dann noch ziemlich weit wandern. Die Rambla Nova, die Flaniermeile, erreicht man, indem man entweder am Bahnhof eine Treppe hinaufsteigt oder durch kleine Gassen bergauf spaziert. Wenn man dann oben angekommen ist, hat man von einer Art "Balkon" einen wunderbaren Blick aufs Meer. Von dort ist es dann auch nicht mehr weit in die Altstadt, in der man unbedingt die Kathedrale, ein gigantisches Bauwerk, besichtigen sollte. Z.Z. werden dort umfangreiche Restaurationsarbeiten durchgeführt.

 

2. Juli 2008

 

Zu Hans’ großer Freude rief am Abend Prof. Scheibe von der FH Kiel an und erteilte Hans einen Lehrauftrag für das Wintersemester 2008/09 an der FH Kiel. Im letzten Winter hatte Hans sich fürchterlich gelangweilt und sich nach Kontakt zu Studenten und Kollegen gesehnt.

 

Den Abend verbrachten wir mit einem Festessen in einem der wenigen Lokale, die der Hafenzeile noch verblieben sind. Es wurde hauptsächlich von Einheimischen besucht, so dass wir sicher sein konnten, gut verpflegt zu werden. Wir aßen eine äußerst leckere und riesige Zarzuela und tranken einen sehr guten Rioja dazu. Wir ließen den Tag erst spätnachts im Cockpit ausklingen, nachdem wir beschlossen hatten, doch noch einen Hafentag in Tarragona einzulegen.

 

 

4. Juli 2008

 

Von Tarragona aus segelten wir weiter gen Süden. Wir hatten tatsächlich wunderbares Segelwetter. Da Hans nur relativ kurze Distanzen abgesteckt hatte, kreuzten wir auch bei wenig Wind und genossen die Stunden auf See. Wir segelten bis in den weitläufigen Golfo D’Ampolla, wo wir in Strandnähe ankerten. Ein herrlicher Anker- und Badeplatz. Nach dem langen Tag auf See mochten wir gar nicht aus dem kühlen Wasser herauskommen. Immer und immer wieder umrundeten wir schwimmend unseren „Eagle“. Nach dem ausgiebigen Bad machten wir unsere „Gummisau“ klar und tuckerten in den Ort – der freilich nicht sonderlich sehenswert ist. Allerdings fanden wir einen Supermarkt, in dem wir wenigstens noch Mineralwasser kaufen konnten.

 

Der Eindruck der „romantischen Ankerbucht“ wurde spätabends jedoch verdorben. Eine Diskothek lud die Dorfjugend zum Tanze. In einer Lautstärke, die die ganze Bucht beschallte, hörten wir die aktuellen Hits. Selbst Hans, der nicht sonderlich lärmempfindlich ist, schlug vor, die Luken zu schließen, damit wir etwas Ruhe hätten. Bis morgens um 6 Uhr tobte die spanische Jugend.

 

5. Juli 2008

 

Wir hatten einen 37 sm-Törn vor uns und lichteten zeitig den Anker. Nach der schönen Segelei vom Vortag erwartete uns ein eher langweiliger Tag, denn wir mussten die ganze Zeit motoren. Windstärke 0 von oben. Abends ankerten wir in einer weit landeinwärts gelegenen Bucht, und stellten übereinstimmend beim Abendessen fest, dass die spanische Ostküste für uns bisher eher enttäuschend war. Wir beschlossen, nicht mehr, wie ursprünglich geplant, bis Valencia zu segeln, sondern unseren Spanien-Törn am 6. Juli zu beenden und gemächlich nach Frankreich zurückzusegeln.

 

6. Juli 2008

 

Nun mussten wir also zurück in den Golfo D’Ampolla. Und wieder unter Motor, denn der Wind war auch an diesem Sonntag irgendwo, nur nicht auf unserem Kurs. Im Golfo d’Ampolla kannten wir uns ja schon aus und ankerten an der uns bereits bekannten Stelle. Hans hatte, in Erinnerung an unseren slippenden Anker vor Mataró, 25 m Ankerkette bei 4 m Wassertiefe gesteckt.

 

Direkt, nachdem wir Anker geworfen hatten, sprangen wir ins gar nicht so kühle Meer. Die Lufttemperatur lag „nur“ bei 28 Grad, die Wassertemperatur in dem flachen, strandnahen Gewässer bei 25 Grad. Wir genossen also nicht direkt eine Abkühlung, aber immerhin ein erfrischendes Bad nach einem windarmen und heißen Sommertag. Am frühen Abend zog ein Gewitter hinter den Bergen auf. Da der Wind von See kam, waren wir sicher, von dem Gewitter verschont zu bleiben. Aber irren ist menschlich. Das Gewitter zog langsam aber stetig um den ganzen Golf herum, blieb eine Weile direkt oberhalb des Golfes und löste sich dann völlig unspektakulär auf. Nur etwas Regen hatten wir abbekommen. Ich zitierte natürlich mal wieder aus meinem fast unerschöpflichen Vorrat der klugen ;-)) Segler-Sätze: „Kommt der Regen vor dem Wind, zurre alles fest geschwind“. Da das Gewitter KEINEN Wind, NUR den Regen mitgebracht, und sich dann aufgelöst hatte, traf „Segler-Regel Nr. 753“ diesmal offenbar nicht zu. Glaubten wir. Und stiegen beruhigt bei Windstille um 23.30 Uhr in die Kojen.

 

Gegen 1 Uhr wurden Wind und Wellen jedoch etwas unruhiger, Windstärke 2 Bft. Um 2.30 Uhr hatten wir bereits Windstärke 5 Bft. und so starken Wellengang, dass wir nicht in der Koje bleiben konnten. Wir schaukelten und wippten so heftig hin und her und auf und ab, das an Schlaf nicht mehr zu denken war. Aber der Anker hielt! Um 3 Uhr hatte der Wind noch weiter zugenommen, die Schaukelei war inzwischen so stark, dass man sich kaum noch im Schiff bewegen konnte. Hans’ Vorschlag „laß uns hier verschwinden, aber schnell“ setzten wir spontan in die Tat um. Um 3.30 Uhr war der Anker gelichtet und wir auf dem Wege zurück nach Tarragona. Wenn wir allerdings gewusst hätten, was uns da draußen auf dem Meer erwartete, hätten wir es sicher vorgezogen, uns im nächstbesten Hafen zu verkriechen.

 

Außerhalb des halbwegs geschützten Golfs peitschte der Wind mit 6-7 Bft. meterhohe Wellen vor sich her. Unser Boot schwankte stark von einer Seite auf die andere. Zum Glück kamen die Wellen nicht von vorn, sondern seitlich. Wind und Wellen sorgten zeitweilig dafür, dass mal die Backbord-Reling, mal die Steuerbord-Reling Wasserberührung hatte. Als es hell wurde, setzten wir die Genua, jedoch stark gerefft, und verringerten damit das Schlingern des Bootes erheblich. Allerdings fand ich es nicht gerade ermutigend, die meterhohen Wellen bei Tageslicht zu sehen. Das waren manchmal geradezu Wasserberge, die sich um uns herum auftürmten und das Boot anhoben, zur Seite legten, um dann mit Riesengezische vorbeizurauschen. Ungefähr 6 Stunden dauerte unsere Fahrt durch dieses ekelhafte Wetter. Es war so kalt, dass wir sogar unsere gefütterten BMS-Windjacken wieder herausholten. Gegen 10 Uhr am 7. Juli legten wir heil und ziemlich müde wieder in Tarragona an.

 

Wir hatten ja schon am Tage zuvor beschlossen, unseren Spanientörn zu beenden und zurück nach Frankreich zu segeln. Diese erneute Sturmnacht hatte uns in unserer Entscheidung nur bestärkt. Wir befreiten in Tarragona das Boot gründlich vom Salz und Sand und begannen dann gemächlich unsere Heimfahrt in Richtung Frankreich.

 

7. / 8. Juli 2008

 

Tarragona: ein Tag zum Ausschlafen, Einkaufen, Boot putzen. Den Abend verbrachten wir mit Max und Brita, einem deutschen Ehepaar auf dem Weg nach Gibraltar. Erst gegen Morgen verabschiedeten sich die Beiden – wir hatten viel Spaß miteinander.

 

9. Juli 2008

 

Sitges ist für uns einer der schönsten der Ferienorte, die wir an der spanischen Ostküste besucht haben. Der Hafen liegt ziemlich weit außerhalb der sehr schönen Stadt. Die Altstadt mit ihren engen Gassen und vielen kleinen Geschäften und Kneipen ist aber sehenswert.

 

Sitges

 

10./11./12. Juli 2008

 

Noch einmal Barcelona

 

13. Juli 2008

 

Arenys ist für uns die lauteste und unansehnlichste spanische Stadt an der Ostküste. Hans wollte so gerne eine Pizza essen, und so machten wir uns abends auf den Weg in die kleine City. Straßenkneipen gab es reichlich, es gestaltete sich nur schwierig, die richtige zu finden. Die erste lag zu dicht an der starkbefahrenen Straße, in der zweiten fütterten lautstark diskutierende Jugendliche die Jukebox und die Münzautomaten, die nächste wirkte sehr einladend und gediegen, hatte aber auch einen Lärmpegel wie ein deutscher Hauptbahnhof. Und so war es schließlich in allen Lokalen, in die wir hineinschauten. Es herrschte überall derartiger Radau, dass wir keine Lust auf ein Abendessen verspürten. Also trabten wir wieder zurück zum Schiff und bereiteten uns dort eine frugale Mahlzeit.

 

14. Juli 2008

 

Da segelten wir bei wunderbaren Wetter so ganz friedlich von Blanes in Richtung St. Feliu de Guixol, als wir von einem offiziellen Hubschrauber verfolgt wurden. Wir konnten zuerst gar nicht glauben, dass die Besatzung an uns interessiert war, aber der Hubschrauber flog sehr niedrig an uns heran, blieb in der Luft über uns stehen, die uniformierten Piloten betrachteten und fotografierten uns und drehten wieder ab. Ähnliches widerfuhr einer anderen Yacht, die ziemlich dicht unter Land segelte. Leider haben wir nicht herausgekriegt, was das nun zu bedeuten hatte. Aber sonderlich sympathisch war uns dieses Erlebnis nun auch wieder nicht.

 

15. Juli 2008

 

Schock in der Morgenstunde:

Die Übernachtung in St. Feliu de Guixol, einem unfertigen, unschönen Hafen, in dem zeitweilig die gesamte Stromversorgung, auch für die Türöffner, ausgefallen war, kostete 75 Euro (i.W. fünfundsiebzig Euro). Wir waren so schockiert, dass wir beschlossen, Spanien auf schnellstmögliche Weise, und sei es unter Motor, zu verlassen.

 

16. Juli 2008

 

30 sm von St. Feliu nach Puerto de Rosas unter Motor. In Erinnerung an den morgendlichen Schock in St. Feliu ankerten wir vor dem Hafen in einer kleiner Gruppe anderer Segel- und Motoryachten. Dabei hofften wir, dass uns das Wetter nicht wieder einen nächtlichen Streich spielte. Der Himmel zeigte die berüchtigten „Windwolken“, den „Makrelenhimmel“, und die Sonne ging gelblich-weiß, umgeben von Schleierwolken, unter. Zumindest im Norden sind das alles Zeichen für eine bevorstehende Wetterverschlechterung mit starken Winden.

 

Nachdem wir gegen 22.00 Uhr die Windprognose von Meeno Schrader erhalten hatten, entschlossen wir uns blitzartig gegen 22.30 Uhr unseren Ankerplatz zu verlassen. Meeno Schrader sagte nämlich für die bevorstehende Nacht und den ganzen nächsten Tag Starkwind vorher. Wir wollten partout nicht länger in Spanien bleiben und erst recht nicht in dem exklusiven Hafen von Puerto de Rosas einwehen. Daher warfen wir also spontan den Motor an und tuckerten in einer sternenklaren Nacht bei Vollmond in Richtung Port Vendres.

 

Spanien verabschiedete uns mit einem grandiosen Feuerwerk, das wir vom Meer aus noch ansehen konnten. Dann bahnten wir uns unseren Weg durch Dutzende von kleinen Angelbötchen hinaus aufs offene Meer. Wir rechneten nicht vor 2-3 Uhr in der Nacht mit den starken Winden und hofften, dann bereits in der Nähe von Port Vendres zu sein. Wir kurvten also mit erhöhter Motordrehzahl um das Kap Creus herum.

 

Trotz der mondhellen Nacht und erhöhter Aufmerksamkeit übersahen wir gelegentlich die Fischerfähnchen und fuhren gefährlich nahe dran vorbei. Einem konnten wir bedauerlicherweise nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Rums – hing die Boje an unserem Boot und wir wie ein dicker Wal in dem Netz fest. Blitzschnell schaltete Hans in den Leerlauf, so dass wir erst einmal auf der Stelle tuckerten. Zum Glück war es noch windstill. Nach einer Weile legte Hans den Rückwärtsgang ein und schob uns gaaaanz langsam rückwärts. Vorwärts waren wir in das Netz gebrettert, nun müsste es eigentlich gelingen, rückwärts vorsichtig wieder freizukommen. Das war eine Zitterpartie !!! Genauso leicht hätte sich ja beim Rückwärtsfahren das Netz in der Schiffsschraube festdrehen können. Aber nichts dergleichen geschah. Nachdem wir eine ganze Weile rückwärts gefahren waren, versuchten wir es auch vorsichtig vorwärts. Es schien zu klappen, obwohl wir das Gefühl hatten, dass sich die blöde Boje irgendwo am Schiffsrumpf festgekrallt hatte. Ganz allmählich steigerte Hans die Geschwindigkeit. Es klappte eigentlich problemlos, nachdenklich machte uns nur die Tatsache, dass wir bei gleicher Drehzahl vorher ca. 8 kn gefahren waren und jetzt nur auf 6 kn kamen. Vielleicht hängt da ja doch etwas am Rumpf. Und dann kam uns auch noch, getreu Meenos Prognose, der Wind entgegen. Erst mit 3 Bft, dann 4, und zu guter Letzt erreichte er die angekündigten 6 Bft. Innerhalb kürzester Zeit bauten sich wieder sehr hohe Wellen auf. Da waren wir noch 12 Meilen (= 2 – 3 Std.) von Port Vendres entfernt. Kurzfristig überlegten wir, in einen anderen Hafen auszuweichen, trauten uns das dann aber in der inzwischen rabenschwarzen Nacht nicht zu. Der Mond war längst hinter dicken Wolken verschwunden und das Morgenrot noch lange nicht in Sicht.

 

Gegen 4 Uhr am Morgen erreichten wir Port Vendres. Langsam und behutsam schoben wir uns in den Hafen, dessen Anlage wir glücklicherweise kennen. Trotzdem ist es immer wieder spannend und aufregend, bei Nacht in einen schwach beleuchteten Hafen einzulaufen. Aber schließlich waren wir drin und machten erst einmal provisorisch irgendwo fest. Und niemand kam angerannt, um unsere Papiere einzukassieren – wie in Mataró geschehen - oder uns rauszuschmeißen. Wir durften sogar an unserem provisorischen Anlegeplatz morgens erst ein wenig Schlaf nachholen, ehe wir auf den richtigen Hafenplatz bugsiert wurden. Vive la France!

 

21.Juli 2008

 

In Port Vendres fühlten wir uns so wohl, dass wir ein beschlossen, ein paar Tage zu bleiben. Der bereits kräftig wehende Tramontana, der in den nächsten Tagen noch zunehmen sollte, bestärkte uns in unserem Entschluß. Nachdem wir uns zuerst einmal richtig ausgeruht hatten, verfügten wir über ein paar überschüssige Kräfte, die wir unbedingt mit einer Radtour „abarbeiten“ wollten. Also wurden die Bordfahrräder herausgekramt. Geschickt, wie ich im Umgang mit Räderwerk nun mal bin, beschädigte ich als erstes die Gangschaltung meines Drahtesels. Ich dachte ich so für mich hin, dass mich die Gangschaltung eh’ nicht interessiert, weil ich ja soooo stark und gut trainiert bin.

 

Die Hafeneinfahrt von Port Vendres wird von Cap Bèar aus „bewacht“. Windige Ecke! Da wollten wir rauf. Trotz Tramontana und ich OHNE Gangschaltung. Typischer Fall von Selbstüberschätzung, ich hab’ ganz schön geschnauft. Die Radtour war zuerst ganz angenehm: kühler Wind und immer eine Handvoll Brombeeren am Wegrand. Nur, je höher wir kamen, umso kräftiger wurde der Wind. Als wir schließlich die Sendestation erreicht hatten, war der Wind so stark, dass ich mich tatsächlich weder auf den Beinen noch auf dem Fahrrad halten konnte. Ich musste mich da oben, sehr zu Freude von ein paar Holländern, die gemütlich im Auto vorbeifuhren, an dem die Sendestation umgebenden Zaun festkrallen. Das wird ein putziger Anblick gewesen sein. Hans grinste, ihm machte der Wind nicht das geringste aus. Am liebsten wäre er noch zur Gipfelstation weitergefahren – das war aber leider nicht möglich, da sich dort oben eine militärische Anlage befindet, der man als Zivilist besser nicht zu nahe kommt. Aber der Ausblick allein schon von der Höhe der Sendestation auf das „kochende“ Meer und das in der Sonne liegende Port

Vendres war großartig. Dafür hatte sich die mühsame Radtour gelohnt. Bergrunter gings dann problemlos, allerdings mit vielen Stopps an den Brombeerbüschen. Nach dieser Tour wurden die Bordfahrrad wieder verstaut – ganz unten in der Backskiste.

 

Port Vendres

 

26. Juli 2008

 

Von Port Vendres aus führte unser Törn nach Cap D’Agde. In diesem Ort herrschte ein derartiger Touristenrummel, wie wir ihn auf unserer ganzen Reise nirgends sonst erlebt hatten. Um einen gewaltigen Yachthafen herum ist ein noch größeres Ferienzentrum angelegt, deren Häuser an Sozialen Wohnungsbau erinnern – sie sind jedoch nicht ganz so fad und farblos. Natürlich machten wir auch hier einen Landgang, der allerdings kein Vergnügen war. Inzwischen hatte auch in Frankreich die Ferienzeit begonnen und der Ort war voller Menschen. Das sog. Ortszentrum von Cap D’Agde besteht aus einer einzigen Straße, die eher einem Trödelmarkt gleicht und an der alle möglichen Artikel, von Bonbons bis Möbel, rasend überteuert zum Verkauf angeboten werden. Durch diese Gasse schieben sich Menschenmassen wie auf dem Oktoberfest. Ich war leichtsinnig und kaufte mir an einem Stand eine Tüte Lakritz, die ich selbst abwiegen musste. Angesichts der Preise war ich bezüglich der Menge schon sehr zurückhaltend, musste aber dennoch 9 Euro für eine spärliche Ausbeute ausgetrockneter Lakritzebonbons minderer Qualität bezahlen. Eigentlich hatten wir noch vorgehabt, ein paar Kleinigkeiten, wie Fischsalat oder ein frisches Fertiggericht für unser Abendessen an Bord zu kaufen. Aber auch diese Waren wurden nur derart unverschämt überteuert angeboten, dass wir lieber darauf verzichteten. Nach einem Glas Wein in einer der vielen Hafenkneipen spazierten wir zielstrebig zurück aufs Schiff und waren froh, als wir dem Trubel endlich entronnen und wieder „zu Hause“ waren.

 

28. Juli 2008

 

Nach einem Zwischenstopp in Frontignan segelten wir weiter bei anhaltend herrlichem Wetter bis Port Camargue. Dort hatten wir uns auf der Hinreise ja schon sehr wohlgefühlt. Diesmal wurden wir fast wie „alte Bekannte“ begrüßt und bekamen wir einen Liegeplatz direkt vor dem Eiscafé. Das Anlegen an der Heckboje mit unserer langen Leine war bei dem starken Seitenwind, der an diesem Tage herrschte, etwas mühselig. Zum Glück waren wir so früh dran, dass die Liegeplätze rechts und links von uns noch frei waren und wir uns in aller Ruhe „häuslich“ niederlassen konnten.

 

Die bemerkenswert große Ferienanlage von Port Camargue ist im Gegensatz zu Cap D’Agde um den Hafen herum weitgehend individuell gestaltet, daher hat man nicht den Eindruck, sich in einem touristischen Ballungsgebiet zu befinden. Durch die in diesem riesigen Hafen künstlich angelegten Inseln mit Ferienwohnungen, die alle über einen eigenen Bootsliegeplatz verfügen, erscheinen die einzelnen Hafenbecken eher klein und überschaubar. Nachts war es oft so ruhig, dass ich davon aufwachte und erst einmal nachfühlen mußte, ob ich Ohropax in den Ohren hatte.

 

Eine interessante Beobachtung machten wir bei einem Nachbarschiff: Der Skipper hatte offenbar so drastisch bei der Angabe der Schiffslänge gemogelt, um Hafengebühren zu sparen, dass die Jungs von der Hafenmeisterei, die den einlaufenden Yachten beim Anlegen behilflich sind, skeptisch wurden. Kurz nachdem die Yacht festgemacht hatte, kamen zwei von ihnen mit einem Maßband an Bord der betreffenden Yacht. Sie maßen deren Länge, um dann ihre Maße mit denen zu vergleichen, die der Skipper angegeben hat. Leider haben wir nicht erfahren, wie dieser Disput ausgegangen ist – vermutlich hat jedoch der Skipper den Kürzeren gezogen und musste den korrekten Preis zahlen.

 

31. Juli 2008

 

Ein stürmischer Wind brachte uns von Port Camargue nach Ste.-Maries-de-la-Mer. Auch hier kamen wir glücklicherweise relativ früh im Hafen an, so dass wir keine Probleme hatten, einen Liegeplatz zu bekommen. Während der Hochsaison wurde es auch in diesem Revier schwierig, günstige Hafenplätze zu bekommen. Ankern wollten wir ja nach unseren letzten unangenehmen Erfahrungen nicht mehr – es lagen auch keine schönen Ankerplätze mehr an unserem Weg. Ste.-Maries-de-la-Mer war unsere letzte Station vor der Heimreise. Eigentlich hatten wir noch gar keine Lust, in unseren Heimathafen zurückzukehren, und so legten wir auch hier – obwohl wir die Stadt und die Umgebung gut kennen – noch einen Hafentag ein, einfach nur, um die Heimkehr noch ein wenig hinauszuzögern. Natürlich war auch dieser Ort rappelvoll von Touristen. Aber dennoch war die Atmosphäre nicht so arglistig und unredlich, wie wir es in Cap D’Agde emfpunden hatten.

 

7. August 2008

 

Am letzten Segeltag unserer diesjährigen Saison erlebten wir noch einmal einen ganz besonders schönen Törn. Wir segelten lange an dem Rhône-Delta entlang, voraus war die Reede vom Golfe du Fos zu sehen. Je näher wir dem Golfe du Fos kamen, umso schwächer wurde der Wind, so dass wir schließlich doch die letzten Meilen bis zu unserer Hafeneinfahrt motoren mussten. Natürlich war die Einfahrt nach Port Napoleon wieder spannend. Links von uns die endlosen Muschelbänke, rechts die großen Chemiekonzerne und voraus die schmale Fahrrinne und der Yachthafen. Wir tuckerten zwar wieder sehr vorsichtig, aber doch nicht gar so nervös wie sonst in Richtung Yachthafen. Denn diesmal kamen wir bei Tage und im hellen Sonnenschein in Port Napoleon an.  

 

Nun ist unsere diesjährige Segelsaison zu Ende, unser Boot steht auf einem Lagerbock auf dem Trockenlagerplatz von Port Napoleon. Wir haben es in diesem Jahr besonders gründlich „eingemottet“, da wir im nächsten Sommer nicht segeln wollen. Mit dem Einwintern hatten wir sehr viel Arbeit, die uns bei der herrschenden großen Hitze nicht ganz leicht fiel. Hans machte den Motorölwechsel, gemeinsam haben wir den Schiffsrumpf gereinigt, eingewachst und poliert. Das Beiboot musste gereinigt und eingewintert werden. Ich habe sämtliche Leinen gewaschen, um sie vom eingetrockneten Salz zu befreien. Alle Edelstahlteile wurden vom salzigen Flugrost befreit und poliert, die Holzvertäfelung in den Kajüten mit speziellem Pflegewachs eingerieben. An einen windarmen Tage holten wir die Genua runter und verstauten sie sorgfältig zusammengelegt in dem Segelsack. Dann musste noch die Wäsche von zwei Monaten gewaschen und aufgeräumt und zu guter Letzt die Sprayhood und das Bimini abgebaut werden.

 

Die Arbeiten haben relativ viel Zeit in Anspruch genommen, denn wir konnten wegen der Hitze nur früh am Vormittag ein paar Stunden arbeiten, und dann erst wieder am „Spät-Spätnachmittag“, wenn die Sonne nicht mehr gar so hoch stand. Außerdem waren die Mücken besonders aktiv und extrem angriffslustig. Bei Sonnenuntergang mussten wir schleunigst in der Kajüte verschwinden, um nicht von Hunderten von Mücken völlig zerstochen zu werden. Vorm Schlafengehen fand unter Deck regelmäßig ein großes Mücken-Massaker statt. Unser Verbrauch von Autan war beträchtlich. Allerdings waren die Mücken davon nicht sonderlich beeindruckt – viele attackierten uns trotzdem, auch wenn wir von Kopf bis Fuß mit Autan eingerieben waren.

 

Sonnenuntergang über dem Trockenlagerplatz von Port Napoleon

 

 

Am 11. August räumten wir das Schiff weitgehend aus, packten wir unser Auto voll mit all den Dingen, die wir nach Hause mitnehmen wollten, tätschelten unseren „Eagle“ noch einmal und dann reisten wir ab. Da wir erst Ende des Monats in Kiel sein mußten, fuhren wir in aller Ruhe zuerst durch die Pyrenäen, Andorra und dann an der Atlantikküste entlang bis Brest. Wir übernachteten in kleinen schönen Orten und besichtigten mir zuliebe jeden erreichbaren Leuchtturm.

 

Zusammenfassung

Dieser Törn war mit nur zwei Monaten viel kürzer als die vorigen, aber doch sehr schön.

Besonders positiv haben wir die vielen Segeltage mit 4 – 5 Bft. in Erinnerung, an denen wir viel Spaß mit dem Boot hatten und uns viel Zeit nahmen, die Segel optimal zu trimmen. Da hat das Boot gezeigt, wie schnell es ist.

 

Die Küstenlandschaft vom Golfe du Fos bis Tarragona ist eher langweilig – Costa Brava ausgenommen – und bietet wenig Ankermöglichkeiten.

 

Die französischen Häfen haben uns gut gefallen; insbesondere Port Camargue und Gruissan sind sehr schön. Der Service ist gut und die Preise moderat, auch in der Hochsaison.

Von den meisten spanischen Häfen – ausgenommen Barcelona und Tarragona – waren wir enttäuscht: mäßiger bis schlechter Service, obwohl die Häfen schwach belegt sind, teils unfreundliche Behandlung, obwohl wir ausreichend spanisch sprechen, und insbesondere im Juli hohe Preise. Fahrtensegler sind in Clubhäfen offensichtlich nicht erwünscht!

 

„Krönung“ war der Hafen San Feliu de Guíxols: sehr unfreundlicher Empfang und dümmlich-arroganter Service, häufiger Stromausfall und €75,- für eine Nacht!

Die Städte Tarragona und Barcelona sind wirklich interessant und sehenswert!

Dennoch wird uns jedenfalls die spanische Ostküste nicht wieder sehen!

Bei der Rückkehr wurden wir ab Port Vendres von unserer französischen Zweitheimat wieder liebevoll aufgenommen und wir genossen die Fahrt bis Port Napoleon.

Im nächsten Jahr werden wir wahrscheinlich den Sommer nicht auf dem Boot am Mittelmeer verbringen sondern mit dem Wohnmobil von Freunden irgendwohin nach Norden fahren.